Gestatten, Pinocchio!
Es begab sich zu einer Zeit, als wir wieder einmal im Einsatzgebiet unserer Nachbarwache “wildern” mussten. Und wie irgendwann schon einmal erklärt, bewegen wir uns meist am Rande unseres Leitstellenbereiches, so auch in diesem Fall. Sobald wir auch nur wenige Kilometer Richtung Südosten fahren, kommen wir in das Gebiet einer anderen Leitstelle. So sollte es auch in diesem Fall vom Einsatzort in unserem Leitstellenbereich in ein Krankenhaus im benachbarten Leitstellenbereich gehen. Dort angemeldet war der Patient jedoch noch nicht, da es ein Notfalleinsatz gewesen war. Da das dann funktechnisch immer etwas schwierig war, über unsere Leitstelle anzumelden und dann noch in passabler Zeit, sprich vor Kanalwechsel, ein Feedback von dieser zu bekommen, entschloss ich mich also, den Patienten einfach von der Nachbarleitstelle im Krankenhaus anmelden zu lassen. So meldete ich mich also im Funkbereich an, gab die Patientendaten durch und bat darum, mir noch eine Zielstation im Krankenhaus mitzuteilen (mangels internistischer Notaufnahme).
Joa, und dann tat sich erst mal rund 15 Minuten gar nichts. Irgendwann sprach mich die Disponentin dann wieder an. Sie hätte gerade von unserer Leitstelle erfahren, dass wir von dieser ja noch gar nicht angemeldet wären und dass sie das jetzt wohl tun müsste, obwohl es gar nicht ihre Aufgabe wäre. Ich sollte ihr also noch einmal die Patientendaten mitteilen. Gesagt, getan. Nach kurzer Wartezeit wieder Feedback von der Leitstelle. “Es geht dann für Sie auf die Station XYZ. Von dort dann mal über Draht!” (für die Nicht-Rettungsdienstler: Ich sollte von dort die Leitstelle anrufen). Letzteres klang dann schon recht böse und mir war direkt klar, dass ich mir dann noch einen Anschiss abholen konnte.
Also Patienten im Krankenhaus übergeben und zum Handy gegriffen. Da im Diensthandy allerdings die Nummer der Nachbarleitstelle nicht gespeichert war und ich auch nicht über die 112 anrufen wollte, klingelte ich also bei unserem Heimatdisponenten an, der mich dann wieder zur anderen Leitstelle verband. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht
Als ich dann die richtige Disponentin an der Strippe hatte, war ich dann doch etwas überrascht. Denn es entwickelte sich ein recht nettes Gespräch. Natürlich musste ich mir eine Rüge abholen und gestand den Fehler auch ein. Ihr Argument, sie wüsste ja dann bei der Anmeldung und bei Rückfragen vom Doktor nichts über den Patienten wollte ich aber nicht so gelten lassen. Denn “meine” Leitstelle weiß in der Regel auch nur das, was ich ihr sage.
Ich gelobte also Besserung, was sie lachend mit den Worten “und die Nase wird länger und länger, Pinocchio!” quittierte. Auf jeden Fall habe ich selten einen so netten Anschiss bekommen. Dafür aber auch dummerweise einen neuen Spitznamen