Über die miserable und teils einfach falsche Berichterstattung verschiedener Medien hinsichtlich des Rettungsdienstes habe ich mich ja schon des öfteren beschwert und dass unsere Arbeit oft falsch dargestellt wird oder das Rettungsdienstfachpersonal gerne generell als Sanitäter, Krankenwagenfahrer oder ähnliches bezeichnet wird ist fast schon normal. Warum man die Rettungsdienst-Mitarbeiter nicht ähnlich wie bei Polizei oder Feuerwehr auch einfach als “Rettungsdienst” bezeichnet, sondern bei uns eher auf irgendwelche Diffamierungen zurückgreift wird wohl auch immer ein Rätsel bleiben.
Das jüngste Beispiel findet sich nun im aktuellen Focus (Nr. 31 vom 27. Juli 2009). Dummerweise bin ich dabei auch noch persönlich betroffen. Denn unter dem 14-seitigen Titelthema “Job – Krise: Entwickeln Sie ihren Plan B – Ideen, Tipps, Geld” berichtet das Magazin über 34 Berufsumsteiger, die irgendwann ihr Berufsleben vollkommen neu aufgebaut haben. Und einer davon bin ich. Nach einem Berufsfindungsseminar bei Uta Glaubitz fing meine Rettungsdienst – Laufbahn an. Im Focus – Artikel wird daher auch meine Berufslaufbahn kurz vorgestellt. Was sich die immerhin 6 zuständigen Redakteure allerdings bei der Formulierung dieses kurzen Abrisses erlaubt haben ist der absolute Hohn. Der Originaltext, aus dem sie ihre Informationen haben, findet sich auf der Seite Berufsfindung.de. Die relevanten Auszüge daraus:
“… Vom Programmierer zum Rettungsassistent … wählt den Ausbildungsplatz beim Deutschen Roten Kreuz in Mainz. Nach 5 Jahren (2 Jahre Ausbildung, 3 Jahre Praxis) kann Christian zur Luftrettung gehen …“
Und hier das, was der Focus daraus gemacht hat:
“… Er findet heraus, welcher Job ihn wirklich reizt: Rettungshelfer – vor allem Luft-Rettungshelfer. Er beendet sein EDV-Dasein und beginnt eine fünfjährige Ausbildung beim Deutschen Roten Kreuz in Mainz.”
Quelle: Focus, Nr. 31/2009, Seite 96
Um nur mal auf die gröbsten Fehler einzugehen: Zum einen bin ich sicherlich kein Rettungshelfer. Der Rettungshelfer hat grob gesagt eine dreimonatige Ausbildung und wird primär im Krankentransport eingesetzt. Ich habe, wie es auch auf der Webseite steht, eine zweijährige Ausbildung, und bin somit Rettungsassistent, sprich ich habe die längste im Rettungsdienst mögliche und einzig gesetzlich geregelte Ausbildung absolviert.
Außerdem habe ich keine fünfjährige Ausbildung gemacht, da es sowas gar nicht gibt. Und wenn man den Text auf der Webseite richtig liest wird man auch merken, dass ich nach meiner zweijährigen Ausbildung zum Rettungsassistenten 3 Jahre praktische Erfahrung sammeln muss, um dann anschließend eine entsprechende Fortbildung zum HEMS Crew Member (und nicht Luft-Rettungshelfer) machen zu können. Wobei die meisten Firmen auch eher mindestens 5 Jahre praktische Erfahrung wünschen.
Warum man beim Focus weder in der Lage ist, korrekt zu zitieren, noch sich anderweitig, z.B. in der Wikipedia, zu informieren, geschweige denn den Text Korrektur lesen zu lassen, bleibt mir ein Rätsel. Ich finde dies auf jeden Fall eine traurige Tatsache, die nicht wirklich professionell wirkt.
Hätte ich, egal ob in meinem alten oder meinem derzeitigen Job, eine solche Arbeit abgeliefert, hätte das sicherlich ernstere Konsequenzen gehabt, bei meinem derzeitgen Job eventuell sogar Menschenleben gefährdet.