Zum Grübeln

All I’m askin‘ is for a little respect

Punch - CC0 Pixabay / PublicDomainPictures

In diesem Beitrag soll es um Respekt und Achtung gehen, um faire Arbeitsbedingungen und den Wunsch, meinen Job so gut wie möglich und ungestört machen zu dürfen. Um die Angst vor Übergriffen und die verschiedensten Personengruppen, die einem das Arbeiten doch manchmal so schwer machen.

Der Liedtext „Respect“ von Otis Redding bzw Aretha Franklin geht zwar in eine etwas andere Richtung, aber das Zitat in der Überschrift passt äußerst gut zu diesem Beitrag.

Hermione vom Rescue Blog und Paul von Alltag im Rettungsdienst haben zu diesem Thema auch in der vergangenen Woche eine kleine Themenwoche abgehalten, an der ich mich gerne noch beteilige, und die (unter anderem) einige sehr lesenswerte Beiträge zu den Themen Respekt(losigkeit), Gaffer und Gewalt hervorgebracht hat.

Von daher ist schon so einiges erzählt, aber auch ich möchte noch einmal zusammenfassen, was mich gerade durch die Berichterstattung in den letzten Wochen beschäftigt hat und zeigt, wie „schön“ bzw beeindruckend (im negativen Sinne) unser Job doch manchmal sein kann. Die Reihenfolge der folgenden Punkte hat dabei keinerlei Bedeutung.

Ärzte. Ein heißes Thema. Natürlich gibt es mehr als genug Ärzte, mit denen man super auskommt und keinerlei Probleme hat. ABER: Es gibt auch jede Menge Mediziner, die uns nur für niederes Pack halten, für Fahrer und Tragenträger, denen jegliche Intelligenz abgesprochen wird. Gerade bei Haus- und Fachärzten, die nicht regelmäßig mit dem Rettungsdienst zu tun haben, ist das leider sehr verbreitet. Dabei sind wir ausgebildete Fachkräfte (auch wenn es durchaus so einige Kollegen gibt, die das immer wieder in Frage stellen lassen), deren Arbeit nicht nur aus dem simplen Transport der Patienten besteht. Von daher hätte ich auch gerne eine gescheite Übergabe und Infos zum Patienten. Aussagen wie etwa “ Ihr könnt einladen und fahren. Ich habe dem Klinikarzt telefonisch schon eine Übergabe gemacht“ sind nicht nur unhöflich, sondern gefährden im Ernstfall auch den Patienten, wenn auf der Fahrt etwas sein sollte.

Angehörige. Manchmal ein echt schwieriges Thema und durchaus verwandt mit so manchen oben beschriebenen Ärzten. Ich habe meinen Job gelernt und mache ihn auch schon ein paar Jährchen. Wir kennen in der Regel unsere Tricks und Kniffe, wie wir unsere Patienten bestmöglich versorgen. Und ich kann es ja auch noch verstehen, wenn uns manche Angehörige den ein oder anderen Rat geben wollen, wir wir was tun können. Aber dann reicht es auch. Angehörige, die mir von A bis Z erklären wollen, wie ich was zu tun habe und wirklich alles in Frage stellen, was wir machen, und auch unsere Gegenargumente nicht akzeptieren strapazieren meine Geduld immens. Von daher hat es (meist) nichts mit Unhöflichkeit zu tun, wenn ich sie dann bitte, den Raum zu verlassen oder uns einfach unsere Arbeit machen zu lassen, sondern einfach mit der Tatsache, dass wir in Ruhe den Patienten versorgen wollen.

Diebstähle. In den letzten Tagen häufen sich wieder mal Berichte über Diebstähle bei Feuerwehr und Rettungsdienst. Da werden der Feuerwehr während des Einsatzes (!!!) wichtige Geräte entwendet, die dann vielleicht beim nächsten Notfalleinsatz fehlen. Oder dem Rettungsdienst wird Material aus oder gleich ganze Fahrzeuge geklaut. Es hat leider seinen Grund, dass es mittlerweile Dienstanweisungen gibt, die zum Verschließen der Fahrzeuge auffordern. Und Beschaffungskriminalität oder ähnliches hin oder her, aber mit solchen Taten gefährdet man im schlimmsten Fall Menschenleben, von den immensen Kosten für die Organisationen einmal abgesehen!

Gaffer. Ein schlimmes Thema, denn was sich gerade in den letzten Wochen an manchen Unfallstellen abspielt ist einfach unfassbar. Gaffer, die sich nur durch Platzverweise oder sogar den Einsatz von Polizeihunden von Einsatzstellen entfernen lassen. Väter, die ihre kleinen Kinder über Schwerverletzte halten, damit sie besser sehen können. Und das alles verbunden mit einer Aggressivität, die einen nur den Kopf schütteln lässt. Einsatzkräfte, die verbal oder sogar körperlich angegangen werden, weil sie (zurecht!) keine Auskunft geben, mutwillige Behinderungen der Rettungsarbeiten, und immer wieder Gaffer, denen Fotos und Videos von Unfallstellen wichtiger sind als Würde und Wohl der Verunfallten und Helfer. Schämt euch! Ihr seid wirklich erbärmlich!

Gewalt. Bei den Gaffern wurde es schon angesprochen. Die Arbeit der Hilfsorganisationen ist definitiv kein Ponyhof mehr. Auf Messen wie der Rettmobil vor einigen Wochen boomen Stände mit hieb- stich und schusssicheren Westen für den Rettungsdienst (ausführlicher Artikel bei Alltag im Rettungsdienst), dazu noch andere Hilfsmittel wie etwa Pfefferspray. Manche Organisationen bilden ihre Mitarbeiter in Selbstverteidigung aus. Für den Rettungsdienst wohlgemerkt, der eigentlich nur helfen will. Aber auch die Feuerwehr ist betroffen. So werden hier in der Stadt zum Beispiel manche Stadtteile nur noch mit Polizeibegleitung angefahren, da die Helfer schon mehrfach angegriffen wurden, und das nicht nur verbal. Dabei wollen wir nur helfen. Und wenn wir uns gefährdet fühlen geht der Eigenschutz vor und wir ziehen uns im schlimmsten Fall zurück, Zustand des Patienten hin oder her.

Sachbeschädigungen. Gerade erst fand man auf Facebook ein Bild eines Rettungswagens, der während eines Einsatzes mit Graffiti-Tags beschmiert wurde. Wenige Tage zuvor wurden bei Rettungsmitteln im Einsatz Reifen zerstochen. Und natürlich gibt es auch hin und wieder Patienten, die ihre Aggression nicht zügeln können und sie durch Tritte, Schläge etc am Rettungswagen auslassen. Dass den Hilfsorganisationen dadurch immer wieder Kosten entstehen und eventuell Mitarbeiter und Patienten gefährdet werden scheint vollkommen egal zu sein.

Verkehrsbehinderungen. Auch so ein Thema, worüber man immer wieder diskutieren muss. Wenn ich Zeit und keine Eile habe suche ich mir auch mit dem Rettungswagen durchaus einen Parkplatz, mit dem ich andere Verkehrsteilnehmer nicht behindere. Im Gegenzug hat es aber auch seinen Grund, wenn ich mit dem RTW auf der Straße stehen bleibe und dadurch eventuell die Durchfahrt versperre. Wir sind kein Milchauto, verdammt noch mal. Wenn ich zu einem Notfall oder unklaren Geschehen gerufen werde habe ich nun mal keine Zeit, stundenlang nach einem Parkplatz zu suchen und der Zustand des Patienten verbietet es auch, ihn auf Trage oder Stuhl hunderte Meter durch die Gegend und zum Rettungswagen zu kutschieren. Wir machen das alles zum Wohle des Patienten und nicht, um andere Verkehrsteilnehmer zu behindern! Ist das so schwer zu verstehen? Und wilde Huperei, Beschimpfungen und ähnliches führen dann nur dazu, dass ich plötzlich noch viel mehr Zeit habe.

Also: Denkt doch einfach mal nach, bevor ihr eskaliert, respektiert uns und unsere Arbeit sowie die Würde der Patienten. Es würde unsere Arbeit sehr erleichtern und nicht immer wieder an unserer Motivation nagen. Wir machen uns durch Schicht- und schwere körperliche Arbeit eh schon kaputt für euch. Da können wir die obigen Probleme nicht auch noch gebrauchen. Wir haben mittlerweile schon ein deutliches Personalproblem im Rettungsdienst. Sorgt also bitte nicht dafür, dass noch mehr Kollegen abwandern, weil der Job so unattraktiv geworden ist. Denn dann kommt eventuell irgendwann niemand mehr, wenn ihr einen Notfall habt.

Denkt mal drüber nach!

 

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  1. Sehr schön und treffend!
    Den Teil mit den Gaffern finde ich erschreckend. Da haben die Leute wirklich ihre Kinder hochgehalten, damit diese mehr sehen können? Als ich klein war, hätten meine Eltern mir eher die Augen zugehalten.

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