Zum Grübeln

Die Not mit der Pflege, Teil 1

Wenn man sich etwas im Internet umsieht merkt man recht schnell, dass hinsichtlich der Pflege in Krankenhäusern und Heimen einiges im Argen liegt. Seiten wie etwa Pflegenot2014 zeigen mehr und mehr, wie schlecht es um die Pflege steht. Für die Chefetagen zählt immer weniger der Patient, sondern nur noch, dass möglichst viel Arbeit in möglichst wenig Zeit absolviert wird. Die Patienten sind oft nur noch Nummern oder Arbeitsposten, die minutengenau getaktet werden müssen, um alle anfallenden Arbeiten erledigen zu können. Wie es dabei dem Personal oder auch den Patienten geht ist erst mal nebensächlich.

Aus eigener Erfahrung kann ich nun berichten, dass sich dieses Problem nicht nur im stationären Bereich ergibt, sondern (natürlich) auch im ambulanten Pflegedienst. Die einzelnen Leistungen sind auf die Sekunde genau berechnet und alles was darüber hinaus geht bedeutet zusätzlichen Stress für die ambulanten Pflegekräfte, die eh oft schon nicht mehr wissen, wie sie die ganze Arbeit erledigen sollen. Und genau aus diesem Grund schleichen sich auch immer öfter Fehler ein, die letztlich der Patient , im schlimmsten Fall mit seiner Gesundheit, ausbaden muss.

Ein Erlebnis aus dem wahren Leben: Meine noch lebenden Großeltern sind beide mittlerweile über 90 Jahre alt und knapp 70 Jahre miteinander verheiratet. Betreutes Wohnen oder ein Pflegeheim waren bis jetzt nie ein Thema für sie. Bis heute leben sie allein und werden vom Rest der Familie so gut es geht unterstützt und betreut. Irgendwann haben wir uns jedoch entschlossen, zumindest einen ambulanten Pflegedienst mit ins Boot zu holen, der (anfangs) die Tabletten richtet.

Pflegedienst Nummer 1 war anfangs noch brauchbar und alles lief nach unserer Zufriedenheit. Bis meine Großeltern irgendwann meinten, dass etwas mit den Tabletten nicht stimmen würde. Und so war es dann auch. Die Tabletten waren falsch gerichtet. Und das nicht nur ein mal, sondern mehrmals, trotz Beschwerden bei der Pflegedienstleitung. Entweder stimmte die Anzahl der Tabletten nicht, was bei Medikamenten wie etwa Marcumar doch schon sehr bedenklich ist, die Tageszeit zum Einnehmen der Tabletten wurde beliebig geändert, manche Tabletten ganz vergessen,… Und so kündigten wir nach kurzer Zeit Pflegedienst Nummer 1 und suchten uns einen anderen.

Pflegedienst Nummer 2 war dann ähnlich zuverlässig. Irgendwann gab es wieder Unregelmäßigkeiten mit den Tabletten, viele Entschuldigungen und trotzdem keine Besserung. Kündigung.

Pflegedienst Nummer 3 hatte dann schon mehr Aufgaben zu bewältigen. Dank diabetischem Fuß kamen zu den Tabletten noch Wundkontrolle und Verbandswechsel hinzu. Dies lief die erste Zeit wieder recht gut. Bis zu dem Tag, als ein Pfleger mit einer dreckigen Küchenschere die Hornhaut am Fuß meiner Oma abschneiden wollte, da er selbst keinerlei Material dabei hatte. Dies führte zu einer bitterbösen Beschwerde und der Forderung, dass wirklich nur noch Fachpersonal zur Versorgung eingeteilt wird. Man entschuldigte sich mehrmals und gelobte Besserung.

Aber es wäre ja zu schön, wenn es wirklich einmal gut laufen würde. Vor einigen Wochen lief sich meine Oma die Ferse wund, die dann ebenfalls vom Pflegedienst versorgt werden musste. In der Pflegedokumentation war sehr schnell etwas von kontaminierter Wunde und fibrinösem Belag zu lesen (was wir aber auch erst jetzt im Nachhinein erfuhren). Dies wurde dann schön bei jedem Verbandswechsel übernommen. Über Wochen. Auf der anderen Seite wurde aber zwei Spalten weiter ebenfalls genauso ordentlich dokumentiert, dass die Wunde immer größer wurde. Ebenso die Schmerzen meiner Oma, die immer schlechter laufen konnte. Unternommen wurde diesbezüglich nichts vom Pflegedienst, außer dem mündlichen Hinweis, dass ja vielleicht mal ein Arzt drauf gucken könnte.

Nachdem meine Oma dann eines Morgens stürzte und das entsprechende Bein aufgrund der Schmerzen gar nicht mehr belasten konnte griffen meine Eltern ein und ließen sie ins Krankenhaus einweisen. Und die Ärzte dort, die irgendwann zu viert am Bett standen, staunten nicht schlecht. Die gelbliche Verfärbung war nämlich kein fibrinöser Belag, sondern die frei liegende Achillessehne. Und diese natürlich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form, sondern mittlerweile bereits mit nicht unerheblichem Gewebsuntergang der Sehne selbst und auch des umliegenden Gewebes.

Da das Thema Krankenhaus aber auch nicht unbedingt optimal lief, berichte ich darüber dann im zweiten Teil 😉

 

  1. Oh man arme Oma kann man da nur sagen. Ich hoffe für sie das es ihr wieder besser geht und hoffentlich alles gut ausgegangen ist und wünsche noch gute Besserung.
    Zum Pflegedienst fällt ir gerade gar nichts mehr ein, ich bin einfach nur baff.

    • Danke. Wirklich gut geht es ihr noch nicht wieder. Ich werde da weiter berichten.

  2. Diese Zustände im ambulanten Breich der Pflege kenne ich auch. War u.a. auch Pflegedienstleitung in der ambulanten Pflege. Mir fällt zunehmend auf, daß Mitarbeiter dort kaum weitergebildet werden. Meine Bemühungen diesbezüglich waren erst fruchtlos, dann aber konnte ich Maßnahmen ergreifen. Aufgrund dieser Unwissenheit von Neuerungen und Gesetztesänderungen muß regelmäßig geschult werden, sonst kommt man diesem „Wust“ nicht mehr nach. Auch durch das selbstständige, alleinige Arbeiten erzählen die Pflegenden viel zuviel „Mist“, nur um was gesagt zu haben. Dies verunsichert die zu Pflegenden und Angehörige dermaßen, daß sie gar nix mehr wissen. Auch die zunehmende Betreuung im häuslichen Bereich von spezieller Behandlungspflege (PEG, Port, Stomaversorgung etc) wird oft verkannt. Sorgfältige Einweisung, ordentliche Schulung und adäquate Versorgung können von den Mitarbeitern oft nur mangelhaft abgeleistet werden, sie wissen es nicht besser.
    Im stationären Bereich muß nachweislich regelmäßig geschult werden, auch zwischendurch anlaßbezogen. Immer wieder und immer wieder………… Hier ist sowohl der Gesetzgeber als auch die kontrollierenden Behörden gefragt, an einen Strang zu ziehen und bundesweit eine Einheit zu bilden.

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