Zum Grübeln

Und nun?

Es war einmal

Seit Anfang des Jahres gibt es nun theoretisch den „Nachfolger“ des Rettungsassistenten, den Notfallsanitäter. Sicherer, besser ausgebildet und mit mehr Kompetenzen soll die Zukunft des Rettungsdienstes aussehen. Außer den altbekannten und ständigen Diskussionen über genau diese Kompetenzen hat man bis jetzt jedoch noch nicht viel gehört. An den unterschiedlichen freigegebenen Maßnahmen in den einzelnen Bundesländern scheint sich bis jetzt nicht viel zu ändern, Vorsitzende von Ärzteverbänden (die aber laut eigenen Aussagen falsch zitiert wurden) wollen weiter mit allen Mitteln dagegen kämpfen, dass das Rettungsdienstpersonal zu „mächtig“ wird. Manche Ärzte scheinen wirklich zu fürchten, dass sie von gut ausgebildetem Rettungsdienstpersonal verdrängt werden.

Das ist jedoch absoluter Quatsch, zumindest aus meiner Sicht! Ich will kein Wunderheiler sein. Ich will auch nicht wild mit Medikamenten um mich spritzen. Ich will keine (Not-) Ärzte ersetzen, übertrumpfen oder was auch immer. Ich will einfach nur meinen Job machen. Nicht mehr und nicht weniger. Menschen helfen, so gut und kompetent es eben geht. Und das, ohne ständig mit einem Bein im Knast oder vor der Kündigung zu stehen. Mit bundeseinheitlich standardisierten und geregelten Maßnahmen. Ohne die Angst, für Maßnahmen, die ich in Bundesland A als Rettungsassistent durchführen darf, in Bundesland B gekündigt zu werden. Ist das wirklich so schwer?

Ich will auch keine Notärzte ersetzen. Ganz im Gegenteil. Ich bin froh, dass es sie gibt und sie letztlich das Sagen und die Verantwortung haben, wenn sie denn da sind. Aber in Zeiten, in denen gerade auf dem Land immer öfter Notarzt-Standorte abgemeldet sind, weil sich keine Notärzte mehr finden, habe ich doch gar keine andere Wahl! Was bringt mir eine Hilfsfrist von 8, 10, 12 oder 15 Minuten für den Rettungsdienst bzw Rettungswagen, wenn der Notarzt erst nach 30 oder 40 Minuten zum Patienten kommt oder ein Hausarzt falsch handelt? Wenn ich nur noch nach dem Prinzip „Load and Go“ verfahren kann bzw darf, weil mir alles andere verwehrt wird, brauche ich keine dreijährige Ausbildung. Rettungsassistenten und nun auch Notfallsanitäter sind Fachpersonal, Herrgott nochmal! Wenn es mein einziger Job ist, Menschen von A nach B zu fahren spare ich mir die Ausbildung und besorge mir einfach einen Schein zur Personenbeförderung (Womit ich nichts gegen Taxifahrer sagen will. Ihr macht auch einen tollen Job!).

Ein Beispiel aus dem wahren Leben: Eine Frau, weit im Rentenalter, hat seit rund einer Woche immer wieder AP-Beschwerden. Der Hausarzt schiebt es auf den Stress, den sie durch ihren nahenden runden Geburtstag hat. Als die Patientin in der Praxis vorstellig wird kollabiert sie. Zwar ist sie schnell wieder auf den Beinen, jedoch wird sie ohne weitere Behandlung, auch ohne ein EKG zu schreiben, wieder nach Hause geschickt. Einen Tag später rufen die Angehörigen den Rettungsdienst, da die Beschwerden zunehmen. Das unverzüglich von der RTW-Besatzung geschriebene EKG zeigt eine ST-Strecken-Senkung mit negativem T wie aus dem Lehrbuch, das bei korrekter Diagnosestellung durchaus bereits vor mehreren Tagen hätte behandelt werden können und sollen.

Ein Einzelfall? Mitnichten! Aber bevor jetzt wieder böse Kommentare kommen: Natürlich gibt es auch viele Ärzte, die richtig handeln. Aber eben auch mehr als genug schwarze Schafe. Und gerade bei den älteren Generationen hat der Hausarzt einen sehr hohen Stellenwert, wird als erster in höchster Not befragt und genießt höchstes Ansehen und Vertrauen, egal, wie schlecht es dem Patienten gehen mag. Leider kommt der Rettungsdienst dann oft ziemlich spät oder gar nicht mehr ins Spiel.

Genau dieser Rettungsdienst besteht auch nicht nur aus Krankenwagenfahrern, Tragenträgern, Fahrern oder Transportern (da es bei uns auch mehr als 3 Regeln gibt), die aus Spaß an der Freude andere Menschen zu parken oder mit Blaulicht zur Imbissbude rasen. Das scheint auch nach Jahrzehnten bei manchen Menschen noch nicht angekommen zu sein. Vielleicht sollte man da einfach mal über seinen Schatten springen und dieses jahrzehntealte Standesdenken beiseite lassen. Die Ein-Mann-Rettung mit nahezu unausgebildetem Personal ist dann doch schon etwas länger her. Der Motivation der Rettungsdienstler würde das sicherlich mehr als gut tun.

Vielen Dank!

 

 

  1. Erinnert mich etwas an meinen Berufsstand, dem es ja zwangsauferlegt ist, den Patienten im Zweifelsfall mit voller Beratung alle 15Tage auf einen neuen Hersteller einzustellen, der aber dem Chroniker seine Dauermedikation nicht vorstrecken darf, bis der Hausarzt aus dem Urlaub zurück ist… (Als ob dann alle Apotheker wie blöde „verschreiben“ würden. Geht ja gar nicht, ohne Rezept bekommen wir ja kein Geld von den KrankenKassen…)

    • Hach ja, das deutsche Gesundheitswesen. Da darf man sich über gar nichts mehr wundern.
      Ach ja, dir auch Willkommen im Blog.

  2. Hallo Krangewarefahrer,
    Ich weiß nicht wie so ein Pingback-Dings geht aber meine Gedanken dazu findest Du hier:
    http://narkosearzt.wordpress.com/2014/02/14/notfall-sanitater/
    Eine spannende Woche mit Zeit zur Erholung wünscht,

    Der Narkosearzt

    • Hallo Narkosearzt,
      erst einmal danke für die Verlinkung und Willkommen im Blog.
      Wenn Du den Link direkt auf diesen Beitrag gesetzt hättest, hätte es auch automatisch mit dem Pingback funktioniert. Beim nächsten mal dann 😉

      Grüße zurück
      Der Krangewarefahrer

  3. Hallo,

    interessanter Artikel mit interessanter Thematik. Da ich selber sowohl im Rettungsdienst tätig war als auch Medizin studiere (um eventuell mal Notarzt zu werden) finde ich die Diskussionen um die Kompetenz sehr interessant.
    Ich bin prinzipiell dafür, dass auch Notfallsanitäter Medikamente geben oder invasive Maßnahmen treffen trotzdem finde ich, dass viele Rettungsdienstmitarbeiter vergessen wie lange ein Arzt für diese Maßnahme „Ausbildung“ betreiben muss. Sicherlich geht in 95 % der Medikamentengabe alles gut aber die angehenden Notfallsanitäter müssen dann auch mit eventuellen Komplikationen umgehen können. Dies wird leider schnell vergessen.

    Zum Thema der Freigabe wurde vor kurzem ein Medikamenten- und Maßnahmenkatalog veröffentlicht, der als Anhaltspunkt für die örtlichen ÄLRD gelten soll. Dies wäre zumindest ein Schritt in die bundeseinheitliche Regelung.

    Das Thema bleibt spannend und „heiß“, ich freue mich auf weitere Beiträge dazu.
    Grüße,
    Patrick (Medizinus.info)

    • Hallo Patrick,

      natürlich studiert ein Arzt ein klein wenig länger. Dafür lernt er in dieser Zeit aber auch wesentlich mehr und die Pharmakologie ist nur ein Teil davon.
      Ich will nicht x-beliebige Medikamente geben. Ich will einfach nur, dass es endlich mal eine bundeseinheitliche Regelung diesbezüglich gibt.
      Denn wie du schon sagst: Auch der Medikamenten- und Maßnahmenkatalog (den es übrigens in ähnlicher Form auch vorher schon gab) ist wieder nur ein Anhaltspunkt für die ÄLRD. Wieder nichts definitives, wieder bzw immer noch eine Grauzone.
      Passend dazu ist die Tatsache, dass schon die Ergänzungsprüfungen für die Assistenten zum Notfallsanitäter wohl vermutlich schon von Bundesland zu Bundesland variieren. Wozu dann der ganze Murks???

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