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Einstieg in den Rettungsdienst

Dieser Tage habe ich eine E-Mail eines Lesers erhalten, der eine Frage an mich als „Insider“ hatte. Ich fühle mich natürlich geschmeichelt, bin aber leider auch nicht allwissend. Aber vielleicht können ja andere Leser, Kollegen etc auch wertvolle Tipps geben. Es geht um folgendes:

Sein 16-jähriger Filius möchte Rettungssanitäter werden, braucht aber halt noch ein wenig, bis er volljährig wird und den entsprechenden Führerschein machen kann. Die Frage war nun, wie der Sohn die Zeit bis dahin nutzen und überbrücken bzw generell in den Rettungsdienst einsteigen kann.

Mein Vorschlag war die ehrenamtliche Tätigkeit in einer Hilfsorganisation, Mithilfe bei Sanitätsdiensten, etc. Vielleicht kann der Sohn auch einfach mal mittels eines Praktikums wirklich in die Materie hinein schnuppern, wobei das mit 16 vermutlich nur auf KTW möglich ist. Aber vielleicht habt ihr ja auch noch andere Tipps oder Ideen?

  1. Sanitätsdienste bei MHD, JUH, ASB, DRK etc. Einfach mal nachfragen, die freuen sich immer über ehrenamtliche Helfer. U18 darf man zwar nicht zu allen Diensten (handhabt auch jede HiOrg anders… ob es sinnvoll ist, 16 jährige um Mitternacht bei nem C2-reichen Straßenfest einzusetzen ist ne andere Frage…), aber man kann viel lernen und ne Menge Spaß haben.
    Die Ausbildungen zum Einsatzsanitäter (MHD), SanHelfer oder Sanitäter (alles etwa SanC nach DRK-Norm) werden natürlich von den HiOrgs gezahlt.
    Für den Raum Hamburg / Göttingen könnte ich entsprechende Kontakte (MHD) vermitteln.

    Gruß

    Thore

  2. Ich bin auch Einsteiger im Rettungsdienst, in form eines FSJ. Vorher hatte ich keinen Kontakt zum Rettungsdienst und auch keinerlei Verbindung zu Ehrenamtlichen Tätigkeiten wie Sanitätsdiensten.

    Im Vergleich merke ich nun, schon im Grundlehrgang, dass meine Kollegen und Miteinsteiger (in den hauptamtlichen RD), die vorher schon Sanitätsdienstmäßig Erfahrung gesammelt haben, viel weiter sind als ich. Der Kontakt mit Patienten und sonst nicht sehr alltäglichen Situationen wird von diesen viel leichter bewältigt als von kompletten Frischlingen. Meiner Meinung nach ist der Sanitätsdienst für den Sohn des Fragenden, der perfekte Anfang. Auch, wenn er sich nicht zu sehr von den 80% des Personals beeinflussen lassen sollte…

    Grüße

    • Hi!

      also ich sehe das genauso: HiOrg und dann weiterschauen… Und dann steht dann natürlich noch die Frage im Raum, ob der Rettungsassistent nicht sinnvoller wäre….

  3. Nach 26 Jahren im Rettungsdienst kann ich zur Zeit eigentlich niemanden den Beruf empfehlen, schlechte Arbeitszeiten, schlechte Aufstiegschancen, Familienunfreundlich, und sehr sehr schlechte Bezahlung für Neueinsteiger.
    Ich glaube da gibts besseres!

  4. Ich würde auch empfehlen, in einer OV einzusteigen. das geht meistens auch schon mit 16. Und dann erstmal schauen, ob das überhaupt was für einen ist. Mit 18 dann halt Praktika aufm RTW oder nen FSJ.
    Und wenns dann immer noch was ist, kann man ja mit seiner Kreisbereitschaftsleitung verhandeln, ob sie den RS bezahlen.
    Grüße,
    Martin

  5. Ich geb‘ dir Recht, Chris… Sicherlich eine gute Idee, sich erst einmal ehrenamtlich zu betätigen. Erstens bekommt er dadurch schon mal einige Eindrücke, zweitens stolpert er mit 18 nicht in’s Ungewisse, wenn er sich irgendwo bewirbt. Ausserdem kann er ja auch mit 16 schon die ein oder andere Ausbildung machen… gibt’s ja vielseitige Angebote!

    Macht sich dann auch gut in seiner Bewerbung, wenn er schon Vorkenntnisse und Qualifikationen mitbringt… sollte er dann tatsächlich im Rettungsdienst Fuß fassen wollen.

  6. Ehrenamt, ganz klar (Sanitätsdienste oder auch KatS).
    Die Sanitäter-Ausbildung (DRK-Norm für den San C) kann sich unter bestimmten Vorraussetzungen auch verkürzend auf den RS auswirken.
    Die ehrenamtliche Mitarbeit ist – wie schon gesagt – sehr gut geeinget, um gewisse Illusionen zu rauben und zu entscheiden, ob diese Art von Job wirklich die richtige ist.

    Ich bin mir ziemlich, dass jeder, der sich bisher nur in „Fernseh-Reportagen“ o.Ä. informiert hat und aufgrund dessen „Sanitäter/Krankenwagenfahrer/Notfallspezialist/ Lebensretter/… werden will, auf die Nase fliegt.
    Für ein FSJ geht das ja noch, aber die Berufsentscheidung sollte doch vorher mal gründlich überprüft werden.

    Der Interessent sollte auf jeden Fall vorher herausfinden, ob er den medizinschen Horizont hat, ob er die nötige Kommunikationsfähigkeit, ob er ausreichend physisch und psychisch! belastbar ist, ob er auch einen gewissen Spaß bei dem ganzen Vor- und Nachbereiten hat, ob er ordentlich, sauber und diszipliniert ist, ob er das nötige Verantwortungsbewusstsein hat, ob er wirklich dafür berufen ist!

    Für den richtigen ist der Rettungsdienst wirklich eine tolle (Lebens)-Aufgabe, für den falschen sicherlich die Hölle.
    LG
    David

  7. Ergänzend noch ein Buchtipp eines Kollegen:
    Ralf Schnelle, „Startklar für Rettungsdienst und Krankentransport“, Verlag Stumpf & Kossendey, ISBN-13: 978-3938179536.

  8. Vielen Dank für die ganzen Meinungen und Tipps! Insbesondere auch der Buchtipp am Ende kommt sehr gelegen…

    „Der Filius“ wird jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach im Rahmen des Freiwilligendienstes ab August 2012 einsteigen und so wie bereits erwähnt Eindrücke gewinnen und die Tür zur Ausbildung ein Stück weit aufstoßen. Das Ganze dann bei GARD in Hamburg, Dort sind die Anforderungen wie z.B. den Führerschein am zeitlich praktischsten angeordnet.

    Irgendwie wird das dann schon klappen…

    @Tobert: DEN Beruf, der nur Vorteile und verdammt viel Geld bringt such ich auch noch… finden werde ich ihn wohl eher nicht 😉 .

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