Aus den Medien Erste Hilfe

Ich muss ja nicht helfen, oder?

Hat zufällig jemand gestern Abend sternTV gesehen? In der Sendung gab es (wieder einmal) einen Test, ob und wie Menschen in einer Notfallsituation, in diesem Fall einem Verkehrsunfall, helfen. Und man mag es kaum glauben, aber das Ergebnis ähnelt denen früherer Tests in anderen TV-Magazinen und ist genauso traurig wie dramatisch. Über 50 Prozent der Verkehrsteilnehmer fuhren einfach vorbei, ohne in irgendeiner Form zu helfen. Das grenzt ja schon fast an chinesische Verhältnisse.

Dummerweise wurden diese Verkehrsteilnehmer ein paar Meter weiter von der Polizei gestoppt und hatten die obskursten Ausreden. „Keine Zeit“ war da noch das harmloseste. „Ich habe 10 Stunden gearbeitet und will jetzt nach Hause“ war auch schön, kam aber nicht an einen Verkehrsteilnehmer heran, der sich keiner Schuld bewusst war, da das ja quasi die natürliche Selektion ist und man ja angeblich nicht helfen müsste. Das helfen darf er zwar gerne unterlassen, hat dann aber im härtesten Fall ein Jahr Zeit, im Gefängnis über dieses Verhalten nachzudenken, denn für die unterlassene Hilfeleistung wird man laut § 323c StGB mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe bestraft.

Allein der gesunde Menschenverstand sollte doch schon dazu verleiten, zumindest einmal anzuhalten, nachzusehen und den Notruf abzusetzen, was ja zum Glück auch dankenswerterweise einige Verkehrsteilnehmer getan haben. Denn wenn man selbst in eine Notsituation gerät wünscht man sich das doch auch von anderen, oder?

Ich kann es also nur immer wieder sagen: Leute, tut etwas. Und die Ersthelfer hätten sicherlich nicht so viel Angst, etwas zu tun, wenn eine regelmäßige Auffrischung des Erste Hilfe-Wissens verpflichtend wäre. Aber dieses Thema scheint ja für unsere Regierung völlig uninteressant zu sein.

  1. Meiner Meinung nach ein Zeichen mangelnder Empathie, welches den Großteil unserer Gesellschaft wiederspiegelt. Eben jenes Bewusstsein für „Ihr würdet doch auch wollen, dass euch jemand hilft“, fehlt fast gänzlich. Da liegt noch ein ganz schöner Berg vor uns, den es gilt abzubauen..

  2. Ein weiterer Aspekt warum sich viele nicht „trauen“ zu helfen begegnet mir auch immer wieder. „Und wenn was schief geht bin ich am Ende dran…!“

    Dieses Denken ist in vielen Köpfen verankert und sollte auch schleunigst und offensichtlicher als bisher beseitigt werden. Einen gewissen Prozentsatz mehr an Ersthelfern würde dies sicherlich mit sich bringen.

    Situationsbedingt würde ich selbst auch nicht an jeder (vermeintlichen) Unfallstelle anhalten und aussteigen. Aber einen entsprechenden Notruf würde ich allemal absetzen – das ist das Mindeste was man tun sollte!

    • Ich muss dich leider korrigieren: Der Notruf ist nicht das Mindeste, was man tun sollte, sondern tun muss, wenn man keine Anzeige riskieren will 😉
      Mit der Angst, etwas falsch zu machen, hast du aber sicherlich Recht. Ich halte öfter mal Auffrischungskurse in der Ersten Hilfe und da ist das eigentlich auch immer Thema.
      Was passiert, wenn ich etwas falsch mache und dem Patienten eher schade? Was passiert, wenn ich bei der Herzdruckmassage eine Rippe breche? …
      Eine regelmäßige Auffrischung der EH-Kenntnisse würde da sicherlich helfen, diese Ängste zu minimieren.

  3. Zu Deiner Korrektur: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Also wenn ich bei Dunkelheit in einer „einsameren“ Gegend angenommen eine Person liegen sehen würde… sorry, mehr wie ein Notruf wäre nicht drin. Selbstgefährdung kann niemand von mir erlangen.

    Und da hat der Staat auch selber schuld mit. Denn was passiert wenn ich aus Hilfsbereitschaft heraus selbst zum Opfer werde? Ich habe ggf. lebenslang die Folgen zu tragen während die Täter mit ner lumpigen Bewährung davon kommen. Das kann es auch nicht sein!

    Ansonsten gebe ich Dir vollkommen recht. EH leisten würde ich immer und bei jedem… abgesehen von o.g. Situation. Vielleicht kannst Du das verstehen, vielleicht aber auch nicht.

    • Da hast Du mich falsch verstanden. Ich will ja gar nicht, dass du dich da unnötig in Gefahr begibst. Mein Kommentar bezog sich explizit auf den Notruf, weil du meintest, das wäre das mindeste, was man tun sollte. Aber man sollte nicht nur in Erwägung ziehen, diesen Notruf abzusetzen, man muss es auch tun, um nicht wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt zu werden.
      Bei allem anderen stimme ich dir zu. Meine eigene Sicherheit ist das wichtigste. Und wenn mir etwas komisch erscheint oder ich mit irgendwelchen Folgen zu rechnen habe setze ich einfach den Notruf ab und bin aus der Sache raus.

  4. Berechtigte Angst oder Unwissenheit mögen vieles entschuldigen oder erklären, aber die dreisten Ausreden der sternTV-Hilfeverweigerer fand ich echt frech. Stichwort „Habe keine Zeit, weil ich nach Hause muss“. Da würde ich am liebsten mal Verständnis und pädagogische Ausbildungsansätze beiseite legen und denen ordentlich den Marsch blasen. Da packt mich echt die Wut!

    • Schön fand ich auch die Autofahrerin, die im Vorbeifahren ein Foto gemacht hat, dann aber weiter gefahren ist. Was geht in solchen Menschen vor???
      Sagst du mir dann Bescheid, wenn du denen den Marsch bläst? Da wäre ich gerne dabei 😉

Kommentare sind geschlossen.