Zum Grübeln

Nächtlicher Besuch der Kollegen

Eine bestimmte Angst habe und hatte ich schon immer: Die Dienste meiner Kollegen einmal in Anspruch nehmen zu müssen, entweder für mich persönlich oder Angehörige. Das soll nicht heißen, dass ich ihnen eine korrekte Versorgung nicht zutrauen würde. Vielmehr ist es einfach ein blödes Gefühl, sie rufen zu müssen und nicht selbst mit der Situation klar zu kommen. Vor einigen Jahren musste ich zwar schon einmal RTW und NEF rufen, allerdings waren es damals auch keine direkten Kollegen.

Außerdem versuche ich eigentlich recht strikt, Privatleben und Job zu trennen. Sprich, ich erzähle auf der Wache nicht sonderlich viel über Freizeit, persönliche Aktivitäten, Freundin, etc. Nun habe ich ja aber seit einigen Wochen und seit langer Zeit wieder eine Freundin, was den ein oder anderen Kollegen durchaus sehr neugierig werden lies. Trotzdem habe ich es bisher eigentlich ganz gut geschafft, sie darüber im unklaren zu lassen 🙂

Donnerstag früh musste ich dann dummerweise beides kombinieren.

Ich will jetzt nicht näher auf die genaue Problematik eingehen, aber meine Freundin und ich waren morgens gegen 5:00 Uhr an einem Punkt angelangt, an dem es ohne eine gescheite Analgesie für sie nicht weiter gehen konnte. Also schön die Leitstelle angerufen und recht direkt RTW und NEF bestellt. Meine recht ruhige und professionelle Art führten dann noch dazu, dass der Disponent mich fragte, ob ich ein Arzt wäre. Aber er akzeptierte auch, dass ich „nur“ Rettungsassistent bin 😉

Zwei Minuten später trafen dann meine Kollegen von der Nachtschicht ein, die mich abends abgelöst hatten und die ich auch eigentlich 2 Stunden später wieder ablösen musste. Der FMS-Text hatte ihnen ja schon verraten, dass es nicht um mich selbst, sondern meine Freundin ging. So stellte ich sie noch kurz persönlich untereinander vor und es ging Richtung RTW. Ich hab mich dann mal eher bedeckt gehalten und die Kollegen machen lassen. Bis der Notarzt kam lag dann auch schon ein Zugang und Notarzt und NEF-Fahrer guckten nicht schlecht, als ich mit im RTW stand. Vor der Fahrt zum Krankenhaus gab es dann noch eine Runde Vomex gegen Übelkeit und Dipi gegen die Schmerzen.

Irgendwann zwischendurch meinte dann der eine Kollege, dass wir es jetzt nach der ganzen Geheimnistuerei doch etwas übertreiben würden mit der Vorstellerei, was durchaus noch für Erheiterung sorgte.

Letztlich musste ich dann aber auch aussteigen, da ich ja mit dem eigenen Auto fahren musste und es ging im 3er-Konvoi Richtung Krankenhaus. Letztlich ging es mir aber da auch schon wesentlich besser, als ich wusste, dass sie gut versorgt und betreut ist. Die Erlebnisse im Krankenhaus reichen aber eigentlich auch für einen zweiten Beitrag, der dann vielleicht später noch kommen wird.

Und was lernen wir daraus? Das Rufen der Kollegen ist gar nicht so schlimm und hat auch gar nicht weh getan. Mir zumindest nicht 😉

  1. Nightflow27

    Oh weia, das hört sich ja mal gar nicht gut an!! Gute Besserung an deine Freundin!!

    Aber schön zu hören, dass die Versorgung durch deine Kollegen schnell und reibungslos erfolgt ist 🙂

    Liebe Grüße,
    Nightflow

  2. Ich hoffe, deiner Freundin gehts wieder besser.

    Ich hatte auch mal das vergnügen, in der Neujahrsnacht meine Kollegen in Anspruch zu nehmen. Beim Aufräumen von Party (alle waren schon weg) wollte ich mir ein Stück Brot abschneiden und habe mir schusseligerweise in den Finger gesägt. (Solinger Edelstahl FORTHEWIN)

    Ich hab geblutet wie ein Schwein und es war klar, dass hier der Chirurg gefragt war.

    Versuch mal am Neujahrsmorgen um vier Uhr ein Taxi zu bekommen… Also Leitstelle über Amtsnummer angerufen 😉 und mir wurden meine lieben KOllegen geschickt.

    Ich sollte erwähnen, dass die beiden bei der Behandlung im Raum geblieben sind und ihr Amusement nicht gut verbergen konnten, als mir beim Nagelziehen und Nähen die Tränen kamen. (trotz Lokalanästhesie.

    Immerhin haben sie mich nach Hause gebracht…

    • Naja, es war doch schon mal sehr nett, dass sowohl die Leitstelle als auch die Kollegen das mitgemacht haben. Ist ja auch nicht selbstverständlich.
      Und Amusement hin oder her, wer weiß, wie die beiden in dieser Situation ausgesehen hätten 😉

  3. Nightflow27

    Hey Stefan,

    wie sagt man so schön – wer Kollegen hat, braucht keine Feinde, nicht?! 😉 Aber mal Spaß beiseite: schön, dass sie dich wenigstens wieder nach Hause gefahren haben.

    Schönen Gruß,
    Nightflow

  4. Sehr komisches Gefühl im ersten Moment. Andererseits muss man sich eben dann auch wie ein „Patient“ verhalten, dann kann eigentlich nix schiefgehen. „Reinreden“ hat noch nie viel gebracht …

    • Ne, ich wollte mich da ja auch nicht profilieren oder so. Ich wollte einfach nur, dass meiner Freundin möglichst schnell und gut geholfen wird. Also habe ich sie einfach arbeiten lassen.

  5. gute besserung!
    ich hoffe es geht ihr schon wieder besser 🙂

  6. wenn die „eigene“ Wache kommt dann weis man ja „WER“ kommt und WIE“ es kommt*******

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