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Meinungs-Mittwoch: Berufswahl Rettungsdienstassistentin

Die Diskussion, was man genau braucht, um Rettungsassistent zu werden, hatten wir vor rund einem Monat schon einmal im Blog der Rettungsschnepfe. Aus aktuellem Anlass möchte ich aber noch einmal darauf zurück kommen.

Warum man sich dazu entscheidet, im Rettungsdienst zu arbeiten, ist sicherlich jedem selbst überlassen. Bei manchen ist es der familiäre Hintergrund, Eltern oder Verwandte, die eben im Rettungsdienst arbeiten, bei anderen ist es langjährige ehrenamtliche Tätigkeit, die dann zum Wechsel ins Hauptamt führt. Manchmal ist es einfach nur Interesse an diesem Berufsbild, für andere dient die Arbeit im Rettungsdienst zur Überbrückung von Wartesemestern für das Medizin-Studium. Oder eben das Arbeitsamt.

Aktuelle Situation: Es klingelt an der Tür der Wache. Eine Frau jenseits der 30 (laut eigenen Angaben und für uns erst mal kein K.O.-Kriterium) steht dort. Sie wolle sich einmal über DIE Umschulung informieren. Welche Umschulung? Na die Umschulung zur Rettungsdienstassistentin. Vorkenntnisse hat sie wohl keine, sie kommt eben von der Agentur für Arbeit. Warum sie direkt die volle Ausbildung machen will und nicht erst mal in den Job hinein schnuppert? Man weiß es nicht.

Der Kollege schreibt ihr die Kontaktdaten unseres Leiter Rettungsdienstes auf und verweist sie an diesen. Irgendwie kommen wir dann noch auf die Ausbildungsdauer zum Rettungsassistenten zu sprechen, die nun bei uns in der Firma bei 3 Jahren liegt. „Aber das Arbeitsamt hat gesagt, dass es nur 2 Jahre sind!“ Ja, sind es ja theoretisch auch, je nach Firma und Organisation.

Trotzdem frage ich mich, wie die Agentur der Arbeit solche Umschulungen finanzieren kann. Gut, vielleicht haben manche Menschen auch wirklich Interesse an einer oder gerade dieser Umschulung, bei vielen ist es aber auch genau das Gegenteil. Aber was soll man da machen? Bzw was sagt Ihr dazu?

 

  1. Nightflow27

    Uiiii, kritisch!! Es gibt Berufe und es gibt Berufe… 😉 Ich finde, dass grade Berufe, die viel mit Aufopferung zu tun haben – Rettungsdienst, Pflege/ Betreuung, Feuerwehr, Polizei – wirklich gut überlegt sein wollen, ob man sie ergreift.
    Diese Berufe gehen körperlich und psychisch an die Grenze der Belastbarkeit, hinzu kommt Schichtdienst, nicht jeder kann oder mag nachts arbeiten. Von den Risiken in diesen Berufen mal ganz zu schweigen.
    Ich bin der Auffassung, dass man sich mit voller Hingabe diesem Beruf widmen sollte – und das kann man nur aus purer Überzeugung tun.
    Also vom Arbeitsamt dahingeschickt und keine klare Vorstellung vom Berufsbild… hm-hm… vielleicht oder besser hoffentlich ist sie wirklich interessiert, hat nur bislang nicht das Hintergrundwissen.
    Es gibt zu viele, die an diesen Berufen kaputtgehen und bzw. oder einen schlechten „Job“ machen. Vieles davon geht auf mangelnde Information im Vorfeld einher.
    Drum prüfe, wer sich ewig bindet,… 😉

    In diesem Sinne – lieben Gruß,
    Nightflow

    • Seh ich genauso. Manche Berufe benötigen wirklich eine Berufung.

      Bei unserer Kirche hat sich neulich auch mal jemand fürs Pastorenamt beworben, weil ihm das Arbeitsamt das empfohlen hat. Der ist wohl etwas desillusioniert nach Hause gegangen (und hat das hoffentlich seinem Berater auch gesagt!), weil es so einfach nun mal nicht ist.

  2. Pingback: Für den Beruf ungeeignet | rettungsdienstblog

  3. Ihr habt auch meine Zustimmung. Die Ausbildung zum Rettungsassistent sollte einen schon wirklich sehr interessieren, denke ich. Berufe im Bereich Medizin erfordern viel Verantwortung. Einige stellen sich das wahrscheinlich super einfach vor. Ist es aber nicht. Das mit dem Pastorenamt ist auch ein gutes Beispiel dafür. Die Beratungsleistung der ARGE sollte schon so gut sein, dass die Berufswahl am Ende auch zu der Person passt!

  4. Ein Kollege der Freiwilligen Feuerwehr hatte Bau- und Möbeltischler gelernt. Als er später eine Allergie auf Holzstaub erwarb, hat er ebenfalls eine Umschulung zum RA bezahlt bekommen. Allerdings wusste er auch, was der Beruf bedeutet, fand ihn sehr interessant und hat somit quasi eine „2. Chance“ erhalten, sich für einen Beruf zu entscheiden, den er heute wirklich gerne macht.
    Auf sein Interesse am RD ist er anscheinend erst nach der Tischler- Lehre gekommen, als er einige Kollegen im RD kennengelernt hatte. Es kann also auch sein gutes haben!
    Wie lange er allerdings gelernt hat, weiß ich nicht. Bei einer vorherigen abgeschlossenen Lehre verkürzt sich aber bei vielen Umschulungen die Ausbildung.

    • Ich wollte auch sicherlich nicht sagen, dass alle,die eine Umschulung machen, kein Interesse am Job haben 😉

  5. Pingback: Meinungs-Mittwoch: Negative RD-Erlebnisse » Der Krangewarefahrer «

  6. Viggohasser

    Tja… ich hab mehrfach auch als Dozent an einigen Schulen mit Leuten zu tun gehabt, die durch die Arge auf das schmale Brett gekommen sind, RA zu werden.
    Es gab gute. Richtig gute. Und es gab normale. Und es gab Leute, die NACH der Examensprüfung (d.h. NACH dem Praktikum RS!!) völlig aus der Rolle fielen, weil sie als RAiP doch tatsächlich mal KTW fahren mussten. Welch ein Angang, welch eine Verschwendung kostbarer Ressourcen!

    Ganz ehrlich, ich glaube, dass die Leute von der Arge einfach nur froh sind, wenn sie die Fälle vom Tisch haben. Oh, zwei Jahre Schulung, wie geil, hinfort mit dem Geschmeiß!

    Wenn sich Können, Auftreten und Wollen der Menschen, die so zum RA(iP) wurden nicht verantworten lassen, bleibt dem LRA nur die vernichtende Beurteilung, und gut ist.

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