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Meinungs-Mittwoch: Umgang mit psychischen Belastungen

Der Selbstmord zweier Rettungsassistenten ist in den letzten Tagen schon durch diverse Blogs gegangen, in verschiedenen Social Networks mitgeteilt und auch auf dem ein oder anderen News-Portal veröffentlicht worden. Zwei tragische Schicksale, die anscheinend keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben und die zeigen, dass unser Job uns doch manchmal auch an unsere psychischen Grenzen führen kann. Nun frage ich mich, wie sich solche Vorkommnisse vermeiden lassen, von den in den Medien angesprochenen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einmal abgesehen.

Was kann man tun, um psychische Belastungen zu minimieren bzw abzubauen? Wie wird mit schwierigen Einsätzen umgegangen? Psychologische Hilfe gibt es oft keine, wenn man sich nicht selbst z. B. mittels der Notfallnachsorge darum kümmert, und selbst, ob und in welcher Form es eine Nachbesprechung bzw ein Abschlussgespräch zu einem schwierigen Einsatz gibt hängt meist von den entsprechenden Kollegen bzw dem Notarzt ab. Einen entsprechenden Einsatz hatte ich selbst erst vorgestern wieder und ich muss sagen der Notarzt war echt top. Er hat uns angeleitet und dirigiert, ohne unnötig Stress zu verbreiten und nach dem Einsatz gab es eine ausführliche Nachbesprechung, bei der jeder einzelne sagen konnte, was gut lief oder was nicht, womit er Probleme hatte,… Leider nicht die Regel.

Daher meine Frage an Euch: Wie geht ihr mit psychischem Stress um? Wie regelt ihr das unter Kollegen? Gibt es bei euch vielleicht irgendwelche Programme, Teams oder speziellen Mitarbeiter, die sich mit der entsprechenden Thematik beschäftigen?

  1. rettungsdienstblog

    Ich habe dafür die OPEN-Teams schätzen gelernt. Das sind Teams aus psychologisch geschulten Kollegen, die selber Einsatzerfahrung haben und für die „Kollegenbetreuung“ gedacht sind. Um evtl. betroffene Patienten kümmert sich ja die Notfallseelsorge.

    Bei entsprechenden Lagen habe ich es von der EL so kennengelernt, dass schon frühzeitig über die LST das OPEN-Team angefordert wird, dann an der Wache mit ihnen ein Debriefing stattfindet und ein jeder danach mit ihnen individuell Kontakt aufnehmen kann. Ich meine, das Team besteht aus knapp 10 Kollegen.

    Auch sonst kann man sich über die bekannten Kontaktmöglichkeiten (Plakat in der Wache, Kontakt über LST) mit ihnen in Verbindung setzten.

    Bei kleineren Lagen kann man sich ja so im Kollegenkreis zusammensetzten und reden…..^^

    • Ich wüsste nicht, dass es sowas bei uns in der Gegend gibt. Schade eigentlich, wäre sicherlich ganz sinnvoll.
      Und sich mit den KollegeN zusammen zu setzen wird auf einer Außenwache mit einem einzigen Fahrzeug leider auch schwierig 🙂

      Trotzdem natürlich danke für die Info.

  2. Ich hab noch nie irgendeine Form der Nachbesprechung erlebt. Frei nach dem Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Oder so. Sinnvoll wäre es allemal.

  3. Die Sache ist tragisch keine Frage, aber ich wäre sehr vorsichtig, dass diese Suizide wirklich mit der Arbeit und den Umständen zu tun haben.

    Wir bekommen bald pro Wache einen geschulten Mitarbeiter, der Ansprechpartner für Kollegen ist, bzw. dieser ein Auge auf seine Kollegen hat, damit diese kein Burn Out etc. bekommen. Desweiteren steht uns eine Gruppe, die speziell auf Einsatznachbesprechung geschult ist.

    • Ob die Suizide wirklich nur mit der arbeit zu tun haben kann natürlich keiner sagen. Die einschlägigen Medien stellen das aber leider überwiegend so dar, auch wenn es nicht sicher ist.
      Das mit dem geschulten Mitarbeiter ist natürlich auch eine Idee. Ich wüsste nur bei mir auf der Wache niemanden, der es machen sollte/könnte/wollte 🙂

  4. Ich finde Teams, Ansprechpartner sind sehr wichtig. Allerdings muss man auch bedenken, dass nicht jeder mit jedem kann. Ich könnte nicht mit jemandem an der Verarbeitung eines prägendes Ereignisses arbeiten, der mir grundsätzlich unsympathisch ist. Ich weis aus eigener Erfahrung wie schlimm ein Einsatz sein kann und wie sich dies auf das Berufsleben auswirken kann.

    Meiner Meinung nach gibt es einige wichtige Grundlagen, um in psychisch belastenden Einsätzen, besser umgehen zu können.

    Auf der einen Seite ist da die allgemeine psychische Situation. Der Freundeskreis, die Familie, Menschen die einen unterstützen und gutes Arbeitsklima, finde ich sehr wichtig. Sind wir in unserem Seelenleben angeschlagen, treffen uns solche Einsätze härter. Aus diesem Grund ist es wichtig, mit sich selbst „im reinen“ zu sein. An sich zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln ist ein wichtiger Punkt in der Arbeit als Rettungsdienstmitarbeiter. Man soll es nicht glauben, aber Sport und Entspannungsübungen, Regenerationszeit einplanen helfen weiter.

    Die andere Seite ist die akute psychische Belastung. Hier sollte man Wege finden sich kurzfristig zu entspannen. Z.B. in einer extremen Stresssituation in der man sich evtl. auch hilflos fühlt, sollte man versuchen sich zu sammeln um sich zu konzentrieren um richtige Entscheidungen treffen zu können. Dies kann ein tiefes Durchatmen sein, Stressoren verringern z.B. Störenfriede mit pseudo Aufgaben beschäftigen, wenn möglich die Situation abschirmen, etc.. Eine Besprechung des abgelaufenen Einsatzes, vor allem mit Positivem, sollte ein wichtiger Bestandteil sein.

    Ich denke sich „vorher“ Gedanken machen lohnt sich.

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