Zum Grübeln

Umgang mit Suizid-Angehörigen

Komische Überschrift, ich weiß. Aber quasi passend zu Kuhfleckis Beitrag zum Thema Selbstmord lief mir dann heute prompt eine Angehörige eines Mannes über den Weg, der sich das Leben genommen hat und wo ich mit dem RTW im Einsatz war. Ich hätte sie gar nicht erkannt, wenn mein Gesprächspartner mir nicht gesagt hätte, wer es ist. Ich hatte sie irgendwie vollkommen anders in Erinnerung, auch wenn ich mich kurzzeitig sogar um sie gekümmert hatte. Gut, damals war ziemlich viel Trubel, sehr viele Angehörige, Nachbarn, Polizei, etc. Alle Angehörigen waren damals ziemlich verheult und sie hat wohl auch etwas ihren Typ verändert. Aber sie hat mich anscheinend auch nicht erkannt bzw sich zumindest nichts anmerken lassen.

Allerdings stellte sich mir die Frage, wie ich damit umgehen soll. Wir waren zeitweise allein im Raum. Oft kommt man dann mit den Menschen ins Gespräch, aber sie trainierte für sich und ich für mich. Und da ich auch nicht wusste, inwiefern sie das Ganze schon verarbeitet hat und mich vielleicht doch erkannt hat belies ich es dabei. Wäre vielleicht auch etwas blöd und unglücklich gewesen, wenn man ins Gespräch gekommen wäre und sich dann im Verlauf des Gesprächs heraus gestellt hätte, dass man sich dann doch durch ein so unschönes Ereignis „kennt“.

Vielleicht hat ja jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht und kann diese bzw seine Meinung zu diesem Thema mitteilen?

  1. mhhhhhh..schwere Frage. Ich glaube ich würde abwarten, ob die Person auf mich zukommt..und das Gespräch anfängt.Wenn dem nicht so ist, dann würde ich auch nicht auf die Person zugehen.

  2. Hallo!

    Nun…ich denke Du hast Dich da absolut pietätsvoll verhalten. Katastrophal wäre ja gewesen: „Hi, wissen Sie noch, wer ich bin. Ich bin der RTW Fahrer von damals, also Sie wissen schon!“

    Meiner Meinung nach, kommt es da auf den Kontext an.

    Wenn Du sie siehst, würde ich kurz nicken, oder grüßen.

    Die Leute nicht „im Regen“ stehenlassen, aber auch nicht „stalken“ – eben der klassische Mittelweg: Gesprächsbereitschaft andeuten, aber ein Gespräch aufzwigen.

    Hilfe sollte sich Betroffene selber einfordern, dazu gibt es Profis.

    Empathie kann aber jeder „erlernen“…

    • Hm, so ist es auch eigentlich gelaufen. Sie hat nett gegrüßt, ich habe nett zurück gegrüßt, fertig.

      Und was die professionelle Hilfe angeht: Die Notfallnachsorge war da auch ziemlich schnell vor Ort und hat alles weitere gemanagt.

  3. Ich denke, da hast Du dich gut verhalten. Spannend/prekär ist das, wenn das ausserhalb unserer „Rollen“ passiert, z.B. wenn das in unserem Freundes und Bekanntenkreis passiert.
    Oftmals wissen dann Umstehende absolut nicht, wie sie sich verhalten sollen. Vom Distanzieren, bis zur Fahrlässigkeit geht dann das Repertoire. Ich bekam einmal mit, wie es ein besonders gutmeinender (aber leider absolut unempathischer) Bekannter vollkommen falsch handelte: „Ach, wir sterben doch alle mal – der XYZ hat Dir sowieso nicht gutgetan..“.. Uhhh.

    Gerade hier ist es in meinen Augen wichtig, aufmerksam zu bleiben. Es gibt Menschen, die wollen und müssen drüber reden. Anderen Menschen tut man eher durch Schweigen über dieses spezielle Thema einen Gefallen, vielleicht kommen sie dann zu gegebener Zeit selbstständig mit einem Gesprächswunsch. „Jeden da abholen wo er steht“ um es mit einer preiswerten Weisheit auszudrücken, aber neiemals gutgemeinte Ratschläge geben;-)

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