Zum Grübeln

Alkohol und Blutzucker

Bei Alkoholintoxikationen ist es bei uns im Rettungsdienst eigentlich Standard, dass auch der Blutzucker des Patienten kontrolliert wird. Aber warum ist das so? Mit den folgenden Worten wurde dies vor kurzem, vollkommen ernst gemeint, von Fachpersonal den Angehörigen eines Patienten erklärt:

„Der Blutzucker wird gemessen, da es sein kann, dass die Betrunkenen vor dem Alkoholgenuss zu wenig gegessen bzw es durch den Alkoholgenuss vergessen haben und dadurch in einen Unterzucker rutschen.“

Ich weiß echt nicht, ob ich über diese Erklärung lachen oder weinen soll. Theoretisch ist das ja ansatzweise richtig, aber der Grund für die Unterzuckerung ist doch eigentlich ein ganz anderer:

Ganz grob erklärt: Unsere Leber dient uns als Glukosespeicher, -lieferant und -produzent. Wenn wir z. B. wenig gegessen haben oder sehr viel Energie durch körperliche Anstrengung verbraucht haben (z.B. Schwitzen und Tanzen in der Disse), schmeisst die Leber die Hilfsmaschinerie an, produziert vermehrt Glukose und schüttet diese in den Körper aus, um den Blutzuckerspiegel wieder zu heben. Dies ist vor allem bei Diabetikern der letzte Rettungsring, wenn sie sich nicht mehr selbst helfen können.

Wird der Körper jedoch mit Alkohol geflutet, lenkt die Leber ihr Hauptaugenmerk auf den Abbau des Alkohols und „vergisst“ dabei gerne mal die Produktion von Glukose bzw hat keine Zeit mehr dafür. Dies hat zur Folge, das der Blutzuckerspiegel teils dramatisch abfällt. Ist der Betrunkene dann so dicht und merkt nicht mehr, dass er Hunger hat oder unterzuckert, kann dies auch zu einer im schlimmsten Fall lebensbedrohlichen Unterzuckerung führen.

Das Problem ist also nicht nur der zu geringe Zuckernachschub von aussen, sondern vor allem der „Streik“ der Leber, der vermehrt zur Unterzuckerung führen kann.

  1. Glukoneogenese ftw! 😀

  2. Ergo der Heißhunger, den man nachts um drei nach einer durchzechten Nacht verspürt 🙂

  3. retterblog.de

    Lachen! Ich würd lachen…

  4. Pingback: Tweets die Der Krangewarefahrer » Alkohol und Blutzucker « erwähnt -- Topsy.com

  5. Oh ja… die Alki-Leichen liebte ich auch immer besonders, als ich noch aktiv war. Wenn solche Moritz-3000 Feste, Faschingsumzüge etc. anstanden, habe ich mich gerne um den ehrenamtlichen Dienst gedrückt. Kann nämlich die „Kotzerei“ nicht wirklich sehen 😉

  6. skalpellbitte

    Du kannst das ja mal viel toller erklären als mein Biochemie Dozent letztes Semester! 😀

  7. Camper

    @Tanja: die Kotzerei ist net das schlimme, wenn man sie eingesammelt (schlafend auf dem Festivalgelände vor der Hauptbühne) hat und sie Richtung SAN-Zelt schleift wo werden sie garantiert wieder munter? – Richtig auf Höhe der Bierbude, und was können die „C2-Leichen“ dann noch als einzigstes deutlich sagen? „Biieeeer!“

  8. Ich könnte mir auch vorstellen das das Personal es so einfach wie möglich für die Angehörigen machen wollte weil diese meist keine Zeit und auch keine Lust auf grossartige Erklärungen haben zumindestens die meisten nicht und im Ansatz (ganz grob gedacht) war es ja richtig 😉

    • Hm, dummerweise wurde diese Erklärung aber auch gegenüber Kollegen so vollzogen.

  9. Oder die Kiddys auf dem Weg ins Krankenhaus, wenn sie zu heulen anfangen, weil es jetzt dann bestimmt Ärger mit Mama und Papa gibt 😉

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