Zum Grübeln

Verunfallte Kollegen

So, nach einigen Tagen Blog-Abstinenz dank Urlaub wieder mal ein Beitrag, allerdings direkt von der tragischeren Sorte.

Eine meiner Ängste war schon immer, dass Familie / Freunde / Bekannte / Kollegen von mir irgendwie verunfallen und ich sie im schlimmsten Fall auch noch retten / versorgen muss. Daher war ich auch eigentlich froh, dass ich in meiner eigentlichen Heimatstadt keine Stelle gefunden habe.

Rund 6 Jahre ist das jetzt gut gegangen. Bis gestern. Gestern mittag verunglückte ein Feuerwehrfahrzeug meines aktuellen Heimatortes auf einer Einsatzfahrt. Der Fahrer starb dabei, der Beifahrer erlitt lebensgefährliche Verletzungen, lag stundenlang im OP. Wie es ihm mittlerweile geht weiß ich leider nicht.

Beide sind Familienväter, haben mehrere Kinder, sind teils sehr engagiert und beliebt in der Gemeinde. Beide sassen schon bei mir in Erste Hilfe – Kursen. Wirklich gut kenne ich sie nicht, aber es reicht, um sich hin und wieder auf Festen oder auf der Straße zu unterhalten. Man kennt sich eben, was in einer 1800-Einwohner-Gemeinde auch fast normal ist.

Da ich frei hatte war ich auch nicht an der Einsatzstelle, aber es beschäftigt einen schon ganz gut, da man die Menschen und teils auch deren Familien eben kennt.

Mein herzliches Beileid gilt der Familie des Toten. Und ich wünsche beiden Familien viel Kraft, um die schwierigen Zeiten zu überstehen!

>> Bericht auf Volksfreund.de

  1. Wie furchtbar! So etwas trägt man tagelang mit sich herum, auch wenn man nicht unmittelbar betroffen ist. Es ist eben eine Sache, so etwas in der Zeitung zu lesen, eine andere Sache ist es, wenn man die Menschen kennt – und sei es auch nur flüchtig.

  2. Tragisch. 🙁
    Ich kann gut verstehen, dass Dich das mitnimmt. Hoffentlich schafft der Beifahrer es. Und hoffentlich haben die Angehörigen und Freunde des Verunglückten die Kraft und den Rückhalt, diese schwere Zeit zu überstehen.

  3. Das kenne ich leider auch. Bei uns ist in der Gegend zum Jahreswechsel bei einer Einsatzfahrt ein HVO schwer verunglückt, die Beifahrerin wurde dabei schwer verletzt, der Fahrer starb leider noch an der Unfallstelle. Auch wenn ich die beiden nicht persönlich kannte, so hat mich dieses Ereignis doch auch sehr mitgenommen.

    Das hat einem mal wieder vor Augen geführt, wie gefährlich dieses Ehrenamt auch sein kann.

    Zu guter letzt stellte sich auch noch heraus, dass das ganze ein Fehlalarm war…

  4. 9 A 64 2 / 85 / 2

    mein Bereitschaftsleiter hat uns Gestern morgen die Bilder am Beamer gezeigt, es hat mich echt mitgenommen.

    Am Mittwoch schrieb ein Freund von mir (Zivi irgendwo in RLP) er habe einen anderen Zivi (in Dienstkleidung) des Deutschen Roten Plus nach einem VU (mit Dienstwagen) reanimiert…..erfolglos.

  5. Sehr schlimm sowas..ich habe durch das Internet davon erfahren…Ich hatte leider schon mehere Kollegen, die ich und meine Kollegen versorgen mussten…

  6. tja das kann schon sehr schnell gehen.. Kann auch andersrum schnell laufen. Hab vor geraumer zeit 3 schöne wochen praktikum im rd hinter mich gebracht, freitag dann war mein praktikum zu ende. Samstag nachmittag auf der geburtstagsfeier eines familienmitgliedes standen dann auf einmal 6 meiner praktikumsbetreuer in der tür zur erfolgreichen aber nicht folgenlosen rea meiner mum, die letztendlich auch nix geholfen hat.. Die waren genau so überrascht wie ich an einem einsatzort auf mich zu treffen.. die dachten ich wär eher zufällig als ersthelfer vor ort.. war ich auch, aber naja..

    • @souly: Das ist natürlich schlimm. Tut mir sehr leid mit Deiner Mum, mein Beileid.

      Manchmal ist das Leben einfach unfair 🙁

      • Naja, das ist wohl manchmal der lauf der dinge. Ich hatte auch in der zeit als „dritter mann“ richtig schiss, dass wir bei bekannten oder verwandten auftauchen würden. Aber im endeffekt war ich froh zu wissen, dass ich ein super team vor ort hatte, dem ich vertrauen kann. Aus sicht des rd ist es offenbar auch mehr als perfekt gelaufen. Und auch im nachhinein, was ich nicht für ganz so selbstverständlich hielt, hat man sich auch super um mich bzw uns gekümmert. Hab mir auch sehr oft irgendeine schuld gegeben, dass ich nicht gut genug geholfen hätte bzw hat man mich garnicht helfen lassen wollen und weggedrängt bzw dann als einweiser vor der tür abgestellt und so hatte ich oft das gefühl, wir haben viel zu wenig geleistet in den 3 minuten bis der rd eintraf. Ganz schlecht ging es mir erstrecht als ich realisiert hab, dass ich schon so oft gehört hab wie oft es vorkommt, dass leute blitzblau im gesicht in der wohnung liegen und seelenruhig abgewartet wird bis hilfe kommt. Und dann komm ich zurück ins wohnzimmer und genau das ist der fall. Tante, vor 30 jahren mal krankenschwester gewesen, hat das, was nach röcheln und schnarchen klang als noch super vorhandene atmung interpretiert, puls hat sie nicht geguckt. Rest wurde dazu angehalten, klappe zu halten und töchterchen (also ich) sollte doch bitte gleich ganz vor die tür, nicht so viel panik machen (sprich anweisungen rumbrüllen die eh keiner befolgt) und den netten leuten vom ktw zeigen, welches haus. Im nachhinein hat man mir zwar gesagt, dass ich bei so einer lungenembolie auch nicht viel hätte tun können, aber das flaue gefühl im magen bzw das bisschen wut verlässt mich trotzdem immernoch nicht ganz, wenn ich daran denke, dass es vielleicht hätte anders laufen können. Vielleicht, wer weiß. Und überhaupt. Aber mein weg für die zukunft steht seit dieser wendung jedenfalls fest.. Ich geh zum rettungsdienst. Nicht aus falschem ehrgeiz oder weil ich jetzt mein ego polieren muss, sondern weil ich gern andern ne chance geben mag, so wie sie meine mum von mir nicht, aber dafür vom rd nochmal bekommen hat. Auch wenns am ende vergebens war. Aber schiss, in zukunft nochmal vor familienmitgliedern oder freunden zu stehen, besteht weiterhin.

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