Archiv für den Monat » März 2010 «

Perfusor – Quickie

Eine neue Praktikantin hat ihren ersten Tag bei uns auf der Wache. Zu Schichtbeginn erklären mein Kollege und ich ihr also den RTW, welches Material und welche Gerätschaften vorhanden sind, etc. Beim Perfusor angekommen meine ich nur, dass man das Ding nur äusserst selten braucht. Ich zumindest habe ihn in nunmehr fast 6 Jahren Rettungsdienst vielleicht 3 oder 4 mal einsetzen müssen.

Keine drei Stunden später geht der Melder: “Alarmeinsatz, Notfallverlegung von einem Kreiskrankenhaus zu einem Haus der Maximalversorgung. Mitzubringen auf Intensiv: EKG, Oxylog und, natürlich, der Perfusor.”

Wäre ja auch zu schön, wenn ich mal glaubwürdig erscheinen würde :-/


Alarmierungs – Panik

Unter dem Beitragstitel kann man sich sicherlich alles mögliche vorstellen, aber mir ist beim besten Willen kein besserer eingefallen. Es geht um folgendes:

Der von den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, sprich Polizei, Rettungsdienst, etc zur Kommunikation verwendete analoge BOS – Funk bzw dessen Technik ist mittlerweile zig Jahrzehnte alt und wird (u. a.) durch andere Funknetze (WLAN, Mobilfunk, …) immer störanfälliger. Wann, wie und wo überhaupt der Digitalfunk als Nachfolger flächendeckend eingeführt wird steht noch in den Sternen und wird (zumindest bei uns) immer wieder verschoben. Allerdings gibt es seit einigen Jahren, quasi als Erweiterung des normalen Sprechfunks, auch Datcom / FMS-Text. Dabei wird unter anderem über den normalen Funkkanal eine Textnachricht mit den Einsatzdaten an das jeweilige Rettungsmittel geschickt. Die Daten können dann im Fahrzeug von einem Display abgelesen werden. Auch wird in der Regel gleich das Navi mit den Daten der Einsatzstelle programmiert. Während der Datenübertragung “rauscht” es dann kurz im Funk. Der Laie kann sich das quasi wie beim Fax vorstellen, nur ohne die Pieperei ;-)

Nun steht bei uns auf der Wache auch ein Rufwiederholer, der das Funksignal der Leitstelle verstärkt und weitergibt. Dieser zeigt bei einer Alarmierung auch die Kennung des alarmierten Fahrzeuges an. Zusätzlich läuft auch meist der Funk bei uns auf der Wache.

Bis vor kurzem hatten wir, trotz neuem RTW, kein FMS-Text im Fahrzeug. Wir waren damit also eines der wenigen Fahrzeuge im Leitstellenbereich, bei dem bei einer Alarmierung kein Rauschen zu hören war. So wusste man dann, wenn man auf der Wache saß und es im Funk rauschte auch direkt, dass es kein Einsatz für uns sein würde.

Seit einigen Wochen haben wir jetzt allerdings auch FMS-Text im RTW. Bei einigen Kollegen sorgt dies allerdings für absolute Paranoia. Sobald es im Funk rauscht hört man dann von diesen Sätze wie “Oje, jetzt fahren wir!” oder ähnlich. Bei einzelnen ist es sogar noch extremer. Sobald es im Funk rauscht springen sie auf und sprinten (ungelogen!!!) quer durch den Wachraum zum Rufwiederholer, um nach der Funkkennung zu sehen.

Den Sinn dieser Handlungen oder Aussagen habe ich bis jetzt allerdings noch nicht verstanden. Denn zum einen ist es unser Job, Einsätze zu fahren, zum anderen erfolgt nur wenige Sekunden nach dem Rauschen die Alarmierung und man erfährt spätestens dann, ob man selbst alarmiert wird oder nicht.

Aber manche Kollegen haben echt einen an der Waffel, was den Funk bzw das Mithören desselben angeht.

Duty-free in der Pampa

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich mit diesem Beitrag bei der weiblichen Leserschaft etwas unbeliebt mache, muss ich ihn einfach schreiben:

Neulich bin ich mit dem Piloten vom RTH zum Tanken geflogen. Getankt wurde auf einem kleinen regionalen Flughafen. Ein paar Sportflugzeuge, ein paar Hangars, ein Tower, mehr nicht. Beim Tanken bin ich im RTH sitzen geblieben, da das Wetter nicht so dolle war. Als der Pilot nach dem Tanken wieder einsteigt, meint er scherzhaft “Na, wie war das Boardprogramm?”, was ich grinsend mit “Alles etwas trübe und eintönig, aber den Film kannte ich noch nicht!” quittiere. Fängt er an zu lachen. Er hätte auch schon mal eine junge Sanitäterin dabei gehabt und sie wären auch auf diesem Flughafen tanken gewesen. Beim Aussteigen meinte er dann zu ihr, dass das Tanken etwas dauern würde und sie sich ja die Wartezeit mit dem Besuch des Duty-free-Shops im Tower verkürzen könnte. Das Mädel sprang also hellauf begeistert aus dem Hubschrauber und lief zum Tower.

Der Rest des Fluges verlief dann wohl ziemlich still, da das Mädel ziemlich sauer wieder zurück zum RTH kam. Sie war von den Flughafenmitarbeitern am Tower nur nett belächelt worden. Aber der Pilot konnte sich das Lachen nicht verkneifen.

Vollbrand – Quickie

Nächtliche Einsatzmeldung “Haus im Vollbrand”. Der Dachstuhl des Hauses brennt lichterloh, aber zum Glück haben es alle Bewohner rechtzeitig aus dem Haus geschafft. Der Besitzer des Hauses wohnt(e) im ersten Stock des Hauses, der darüber liegende Dachstuhl wurde gerade ausgebaut. Der Hausbesitzer selbst hat die Feuerwehr gerufen. Auf die Frage, wie er denn den Brand bemerkt hat, antwortet er:

“Ich bin aufgewacht, weil mir plötzlich so warm wurde.”

Da kann ich nur sagen: Man muss manchmal auch ein wenig Glück haben (vom Schaden am Haus mal abgesehen). Das hätte auch durchaus so ausgehen können, dass er erst gar nicht mehr aufgewacht wäre.

Die rote Gefahr

Achtung

Disclaimer

Die Protagonistin dieses Beitrags, Sunny, ihre Einsätze inklusive aller Namen, Orte und Vorkommnisse sind frei erfunden und eine Ähnlichkeit mit existierenden Personen und Örtlichkeiten rein zufällig und nicht beabsichtigt!

Medikamente und deren richtige Dosierung waren schon so eine Sache. Auch die ein oder andere Nebenwirkung sollte man je nach Medikament kennen. Gerade bei älteren Patienten funktionierte das dann aber manchmal nicht mehr so richtig. So auch in einem Nachtdienst von Sunny. Gegen 3 Uhr in der Nacht ging der Alarm, zusammen mit einem Notarzt, gemeldet waren Kreislaufprobleme.

Beim Eintreffen am Einsatzort saß die Patientin in ihrer Küche auf einem Stuhl, nicht mehr ansprechbar, der Kopf zurückgefallen in den Nacken, Schnappatmung. Nicht unbedingt die beste Ausgangssituation für “Kreislaufprobleme”. Der sichtlich mitgenommene Sohn erklärte, dass die Mutter schon die ganze Nacht kaum schlafen konnte, bekannte Blutdruckprobleme hätte und mehrmals mehrere Hübe ihres Sprays genommen hatte. Dabei zeigte er auf ein Nitro-Spray, das auf dem Küchenschrank stand.

Für den Laien: Nitroglycerin wird, grob gesagt, nicht nur als Sprengstoff eingesetzt (Glycerintrinitrat), sondern aufgrund seiner gefäßerweiternden Wirkung auch gerne in der Medizin (Glyceroltrinitrat), z.B. bei Angina pectoris, Herzinsuffizienz oder eben auch zu hohem Blutdruck. Zum Einsatz kommt dann in der Regel ein Pumpspray mit roter Flüssigkeit. Bei der Einnahme sollte man es aber dann auch nicht übertreiben, denn der Blutdruck fällt dann auch bei zu intensiver Einnahme gern mal ins Bodenlose. Und genau das war hier vermutlich passiert.

Die Patientin wurde also auf den Boden gelegt und die Vitalzeichen kontrolliert. Der Blutdruck lag mit etwas gutem Willen bei 100/60, Puls, EKG und BZ waren noch in passablem Rahmen. Nachdem die Patientin 2 – 3 Mal assistiert beatmet worden war, berappelte sich auch spontan die Atmung wieder. O2 gab es dann trotzdem noch. Der Gesamtzustand der Patientin besserte sich dann zusehends wieder. Sie wurde wieder ansprechbar und halbwegs orientiert. Allerdings wurde ihr auch schwindelig und es zeigten sich Übelkeit und ein starker Brechreiz.

Nachdem der Brechreiz medikamentös bekämpft worden war (Vomex), wurde die Patientin umgelagert und ohne weitere Komplikationen zur Überwachung in das nächste Krankenhaus gebracht.

Also immer schön bei der Medikamenteneinnahme aufpassen ;-)

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