Kollegen auf Kundenfang

Dass ich in Rheinland Pfalz wohne kann man ja dem Impressum entnehmen. Dass das Rote Kreuz hier im Rettungsdienst eine ziemliche Vormachtstellung und (zumindest im nördlichen Rheinland Pfalz) bis auf wenige Ausnahmen fast schon ein Monopol hat wissen dagegen vermutlich nur die wenigsten. Vereinzelt fahren hier in der Gegend noch die Malteser bzw die Feuerwehr, die anderen großen Hilfsorganisationen (ASB, Johanniter) sind im Rettungsdienst absolute Ausnahmen. Lediglich beim Hausnotruf, Essen auf Rädern, etc mischen sie manchmal noch mit. Soweit zur Vorgeschichte.

Die Tage klingelt mein Telefon. Der Zugführer unseres Ortsvereins ist dran. Es gäbe eine Beschwerde einer Anwohnerin unseres Ortes, dass jemand illegal Spenden für das Rote Kreuz sammeln würde. Nichts wirklich Neues. Solche Typen gibt es immer wieder. Sie versuchen den Menschen zu erklären, dass man nur als Mitglied Anrecht auf einen Rettungshubschrauber bzw den Rettungsdienst hat, kleiden sich als Rettungsdienstler, obwohl sie nicht dazu gehören,… Hat es alles schon gegeben.

Der Geschäftsführer hätte bereits Kenntnis und hätte auch schon mit dem Ordnungsamt telefoniert, diese wären aber sehr überlastet. Er selbst hätte auch keine Zeit. Ob ich mich da vielleicht mal schlau machen und den Spendeneintreiber suchen könnte. Er müsste irgendwo in meiner Nachbarschaft zu finden sein. Nichts leichter als das. Ich schmeisse mich also in meinen schwarzen Anzug, statte mich mit Sonnenbrille, Handy und Kamera aus und begebe mich auf die Suche, um die Invasion der Ausserörtlichen zu stoppen.

Nur zwei Straßen weiter kommt die Zielperson in Sicht. Ich nähere mich unauffällig in den Schatten der Häuser und sehe mir das Schauspiel erst mal an. Der Verdächtige trägt in der Tat eine Rettungsdienst – Jacke. Allerdings steht auf seinem Rückenschild “Arbeiter-Samariter-Bund”. Und wie ich aus dem belauschten Gespräch mit dem Anwohner erfahre sammelt er auch keine Spenden, sondern will Mitglieder für den ASB gewinnen und den Menschen Hausnotruf, Essen auf Rädern, etc schmackhaft machen.

Ich warte also ab, bis der ASBler vom Anwohner abgewimmelt wird und nehme Kontakt auf. An seiner Jacke baumelt ein Namensschild, dass ihn ebenfalls als ASBler ausweist. Auch kann er (mehr oder weniger freiwillig) eine Werbegenehmigung vorweisen. Somit scheint also alles rechtens zu sein.

Dummerweise hatte ich mein Blitzdings-Gerät zuhause vergessen und konnte ihn somit auch nicht blitzdingsen und unsere Unterhaltung aus seinem Gedächtnis löschen. Ist aber eigentlich auch egal. Man ist ja nur vorsichtig.

Aber gerade die älteren Anwohner sehen die Rettungsdienstjacke und bringen das direkt mit dem Roten Kreuz in Verbindung, da es bei uns nichts anderes gibt. Und natürlich ist es auch ein netter Zug, dass die Anwohner dann auch vorsichtig sind und die entsprechenden Stellen informieren, um der Sache auf den Grund zu gehen.

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