Notruf 0815 – Wir retten sie alle – Teil 4
Mittwoch, 27. Januar 2010 | Autor: Chris
Nachdem Monsterdoc seine Reihe “Notruf 0815 – Wir retten sie alle” für die Allgemeinheit freigegeben hat, folgt hier nun Teil 4 der Verunglimpfung “unrealistischer medizinartiger Serien”.
In diesem Teil geht es mal um die Luftrettung. Dabei ist der Rettungshubschrauber Mediheli 4911 heute besetzt mit Pilot Charlie Bravo-Zulu, Rettungsassistent Conrad “Conny” Otomie und dem Notarzt Dr med Otto Stase, seines Zeichens Arzt für leicht erkennbare Krankheiten.
Der Tag verlief bisher ruhig. die 5 versorgten Polytraumen waren eigentlich Standard gewesen und die am Hubschrauber angebrachte Seilwinde hatte mal wieder bewiesen, was sie kann, als sich Conny durch das Dachfenster eines 5-stöckigen brennenden Hauses bis hinunter ins Erdgeschoss abgeseilt hatte, um einen Hund zu retten. Nun wurde der Hubschrauber gerade getankt, als der nächste Alarm ertönte. Absturz eines Kleinflugzeuges in den Bergen, der Hubschrauber ist das einzige Rettungsmittel weit und breit. Noch bevor Arzt und Assistent angesprintet kommen, hat Pilot Charlie bereits die Turbinen gestartet und innerhalb nur weniger Millisekunden auf Touren gebracht. Noch während sich die Seitentür schliesst hebt der Hubschrauber ab. Nur wenige Zentimeter über dem Boden dreht Charlie den Hubschrauber dann drei Mal um die eigene Achse, um zu sehen, ob alles ok ist. Dann schiesst der Hubschrauber dicht über Grund in Schlangenlinien zwischen einzelnen Bäumen hindurch und mit halsbrecherischen Flugmanövern Richtung Unfallstelle.
Noch bevor der Hubschrauber an der Unfallstelle aufsetzen kann springt Rettungsassistent Conny aus 5 Metern Höhe aus dem Hubschrauber und landet nach einer Hechtrolle sicher auf seinen Füßen. Er hat die Lage sofort erfasst. Das zweisitzige Kleinflugzeug hängt an einem Abgrund, nur vom Heckruder gehalten. Der Pilot ist bei der Bruchlandung aus dem Flugzeug geschleudert worden und ist jetzt unter dessen Fahrwerk eingeklemmt. Seine blutüberströmte Flugschülerin sitzt noch im Flugzeug. Ein durch Zufall vorbei gekommener Bergsteiger hat sich als Ersthelfer betätigt und versucht, den Piloten zu beruhigen. Also keine Zeit verlieren. Pilot Charlie startet wieder den Hubschrauber und Conny befestigt das Ende der Seilwinde am Flugzeug, damit dieses angehoben werden kann. So können Conny und Dr. Stase den Piloten herausziehen. Beine und Unterleib sind zwar völlig blutüberströmt und man sieht mehrere offene Knochenbrüche, aber nachdem ein blauer venöser Zugang gelegt ist und der Brustkorb per Stethoskop abgehört wurde, erholt sich der Patient recht schnell wieder und kann nach wenigen Minuten wieder aufstehen und selbst zum Hubschrauber gehen. Um seine Flugschülerin steht es da schlimmer. Wie Dr. Stase direkt per Handauflegen erkennt, hat sie schwere innere Blutungen und ist in der fünften Woche schwanger. Da sich der Ersthelfer als Thoraxchirurg aus Timbuktu zu erkennen gibt, wird noch an der Unfallstelle der Brustkorb der Frau eröffnet, die Blutungen gestillt und die Patientin durch das Aufkleben eines EKGs und die Gabe von 10 Litern Kochsalz stabilisiert.
Beide Patienten werden dann ins Krankenhaus gebracht, können dieses aber schon am nächsten Tag geheilt entlassen. Sie statten der Hubschrauberstation einen Besuch ab und bedanken sich überschwenglich. Trotz der 30 Jahre Altersunterschied hat dieses Erlebnis den Piloten und seine Flugschülerin zusammengeschweisst und in einigen Wochen werden sie heiraten. Als sie gerade die Hubschrauberbesatzung dazu einladen wollen, ertönt schon wieder ein Alarm und der Hubschrauber fliegt dem Sonnenuntergang entgegen.
Na, wenn das mal kein schönes Happy End ist
Weitere Artikel dieser Kategorie:
- » Kurzes Lebenszeichen
- » Internet und Depression
- » Impfmüdigkeit vs. Unsicherheit
- » Zitat zur Schweinegrippe
- » Einsatzmeldungen und Funkverkehr




Seite bookmarken
Mittwoch, 27. Januar 2010 um 17:35
So was hab ich doch schon mal im Fernsehen gesehen?!? Muss also doch realistisch sein, oder nicht? :O
Mittwoch, 27. Januar 2010 um 18:56
Wie, das passiert so etwa nicht jeden Tag in Deutschland? Damit wurde ich schon wieder einer Illusion beraubt…
Mittwoch, 27. Januar 2010 um 20:13
Ein relativ normaler Arbeitstag also. Meines Wissens gab es früher neben den kleinen auch noch sehr große (gefürchtete) blaue venöse Zugänge … Super. Danke dafür. 0815 muss weitergehen.
Donnerstag, 28. Januar 2010 um 00:46
Super Vorsetzung…:)
@Cheffe
die gibts auch heute noch…oder Butterflys
Freitag, 29. Januar 2010 um 08:07
…arbeitest du nebenbei für rtl?