Jede Sekunde zählt
Es war mal wieder soweit. Wie in jedem Jahr stiegen im Herbst und Winter wieder die Zahl an Reanimationen und Suiziden in Sunnys Einsatzgebiet spürbar an. So war es dann auch zum Ende diesen Jahres. Und man konnte es nur immer wieder sagen: Gerade beim Herz-Kreislauf-Stillstand zählte wirklich jede Sekunde und wenn sich niemand als Ersthelfer betätigte hatte der Rettungsdienst in der Regel auch schlechte Chancen. Aber der Reihe nach:
Vor etwa einem Jahr erzählte Sunny hier von diesem Einsatz, einer erfolglosen Reanimation. Auch damals gab es einige Einweiser auf der Straße, die Patientin lag aber minutenlang ohne Versorgung in der Wohnung.
Nun wurde Sunny wieder mal zu einer “bewusstlosen Person” gerufen. Die morgendliche Uhrzeit war eigentlich typisch für Verstorbene, die irgendwann in der Nacht verstorben waren, aber dann erst morgens im Bett gefunden wurden. Dieses Mal war es aber wieder anders.
Auf der Straße wurden sie bereits von einem aufgeregten Einweiser empfangen, der zur Eile drängte. Die Patientin lag mitten im Wohnzimmer, keine Atmung, kein Puls. Der Einweiser stellte sich als Ehemann der Patientin heraus und auf die Frage, wie lange sie schon so liegen würde, erhielt Sunny die Antwort “20 Minuten!” Also schnell mit der Reanimation begonnen. Das EKG zeigte eine Asystolie. Die Patientin wurde vom gleichzeitig eingetroffenen Notarzt intubiert und an die Beatmung angeschlossen, während die normale CPR weiter lief. Da sie mittlerweile auch erfahren hatten, dass die Patientin “herzkrank” war und bereits mehrere Stents hatte, entschloss sich der Notarzt, es neben dem Standardmittel Adrenalin auch mit einer Lyse zu versuchen. Zusätzlich dazu noch Heparin und Aspisol.
Während der rund 50 Minuten dauernden Reanimation gab es dann neben diversen Defibrillationen im Verlauf noch Cordarex und, als sich ein bradykarder Rythmus aufzubauen begann, Atropin, aber letztlich blieben alle Maßnahmen erfolglos.
Sunny wusste, dass die Hemmschwelle bei Angehörigen / Ersthelfern oft sehr hoch lag, weil die meisten Menschen einfach Angst hatten, sie könnten etwas falsch machen oder sich einfach davor ekeln oder gar nicht wissen, was zu tun war. Aber falsch machen konnte man eigentlich nichts. Letztlich war ein Patient in solchen Fällen schon tot und wenn man nichts tat würde er das auch bleiben. Und auch wenn man bei der Wiederbelebung mal eine Rippe brach. Na und? Zum einen passierte das dem Rettungsdienst auch hin und wieder und zum anderen würde es dem Patienten vermutlich egal sein, wenn man ihn im Gegenzug ins Leben zurück holen könnte.
Und um solche Dinge zu üben, Ängste abzubauen und das Wissen zu festigen, was in welcher Situation zu tun war, gab es Erste Hilfe – Kurse! Leider nach wie vor nicht regelmäßig und verpflichtend. Aber man könnte ja auch in eigener Verantwortung mal so einen Kurs besuchen. Gerade, wenn man Angehörige hatte, die Probleme mit dem Herzen hatten.
Sunny konnte es gut verstehen, wenn man Ängste vor solchen Extremsituationen hatte. Aber in diesen Situationen musste man einfach mal über seinen Schatten springen und etwas tun. Das war oft die einzige Chance für den Patienten!
Also, liebe Leute, tut etwas!
Samstag, 19. Dezember 2009 um 19:10
Leider wirklich typisch für unseren Job. Wir haben die beste Ausstattung, sind hoch qualifiziert..aber kein Angehöriger oder Passant hilft. Und genau das bräuchten wir wirklich. Denn sonst ist unsere Arbeit in 95 % der fälle umsonst….
Samstag, 19. Dezember 2009 um 20:11
Kann ich nur unterschreiben. Ohne Laien-Wiederbelebung ist meistens alles aussichtslos.
Sonntag, 20. Dezember 2009 um 14:13
Ich kann die Ausrede mit “aber vielleicht breche ich ihm ja dann eine Rippe” allmählich nicht mehr hören. Habe mir selber vor 2 Jahren die Rippe gebrochen, ganz alleine (ok eine Wand war auch beteiligt
und und habs überlebt. Mit einer gebrochenen Rippe können manche Leute im SuperG auf den 10. Rang fahren. Leute, eine gebrochene Rippe tut zwar weh aber ist weiss gott nicht so schlimm! Ich kann einfach nicht begreifen dass so viele Leute einen Toten mit intaktem Skelett einem Lebenden mit gebrochener Rippe vorziehen.
Und falls jetzt das Argument kommt “aber ich habe schon gehört dass die gebrochene Rippe dann in den Lungen oder der Milz steckt und ihn das umbringt” – Chris, kannst du bitte mal erzählen wie oft dieser dümmste anzunehmende Fall eintritt? Danke
Mittwoch, 23. Dezember 2009 um 19:04
Hmm, dass ihr anfangen musstet, war ja klar. Dass der NA dann aber noch 30min weitergemacht hat… Nunja.
@CH-Student: Bei mir stat ist die Rippenbrech-Wahrscheinlichkeit 100%. Es gibt sogar böse Zungen die behaupten, dass eine Rea bei der keine Rippen gebrochen werden, nicht korrekt durchgeführt wurde…
Donnerstag, 31. Dezember 2009 um 17:27
also ich nkann da nur erzählen was uns letztens auf unserer Heimreise aus Deutschland nach Frankreich passiert war. Es war schon dunkel, so kurz vor 10 und wir hatten erst vor kurzem gewchselt mit dem fahren (also ich war recht müde und meine Freundin hatte mich abgelöst) und die Autobahn war leer. Dann kam von hinten so ein Kleinwagen (größe vom peugeot 206) überholt uns. etwas weiter voren knallt er gegen die Mittelleitplanke und schlittert dann quer zur Fahrbahn einmal über die gesamte Fahrspur. Meine Freundin hat dann gebremst und wir haben dennen geholfen beim absichern der Unfallstelle, was ich aber krass fand ist das wir die einzigen waren die angehalten haben. Und was ich hier auch etwas komisch finde ist das die Franzosen keinen Erste-Hilfe-Kurs machen müssen für den Führerschein. Hier wird es so gehalten besser nicht helfen als das man was falsch macht. Übrigens war den Personen in dem PKW nichts passiert ausser ein paar Prellungen und halt der Schock. Uns ist da auch nichts passiert da wir es gott sei dank geschafft hatten vorher anzuhalten. Wenn wir aber etwas schneller unterwegs gewesen wären (wir haben einen VW Bus der grad nur 80-90 fährt) hätten wir glaube ich nicht so ein glück gehabt und wären dennen vielleicht sogar voll in die Seite gefahren.
hab aber noch ne kleine Nachricht die ich hier gerne mitteilen würde. Und zwar verlose ich zwei Kalender mit Bildern aus meinem Blog. Die bedingungen stehen im Blog.
LG aus Frankreich und euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und dem Autor dieses intressanten Blogs allzeit eine gute Fahrt.
muetze aus Frankreich