Zum Grübeln

Rentner und Arztbesuche

Man könnte ja meinen, Rentner hätten mehr Zeit. Sie müssen nicht mehr arbeiten und können sich ihre Zeit recht frei einteilen. Denkt man zumindest. Bei manchen ist das aber nicht so. Meinen Großeltern zum Beispiel. Sie haben halt beide schon ein recht stolzes Alter erreicht und wenn sie aus ihrem Standardtrott herausgerissen werden kann es schon mal schwierig werden. Bei Arztterminen zum Beispiel. Mein Opa hasst es, warten zu müssen. Nun ist es ja aber meisst so, daß man in Arztpraxen, selbst wenn man eine Termin hat, des öfteren mal warten muss. Mal etwas kürzer, mal etwas länger. Das soll jetzt keine Kritik an Arztpraxen sein. Dass diese oft überlastet sind, besonders Fachärzte, sollte dank Ärztemangel jedem klar sein. Da habe ich auch gar kein Problem damit. Ich verstehe das und richte mich eben auch darauf ein, warten zu müssen. Ist ja in der Regel kein Problem.

Bei meinen Großeltern schon. Mein Opa hat dann Hummeln im Hintern, kann nicht still sitzen, schaut immer wieder auf die Uhr und motzt auch mal gerne, warum das alles so lange dauert. Und da er recht schlecht hört tut er das auch in einer Lautstärke, dass auch möglichst die ganze Praxis etwas davon hat. So ist das schon bei normalen Terminen. Nebenbei noch zu bemerken, dass die beiden an diesen Tagen in der Regel nichts anderes mehr vor haben und eigentlich Zeit haben müssten.

Nun gibt es aber auch akute Dinge, die, wenn es meinem Opa nach geht, keinen Aufschub dulden. So hatte er plötzlich wieder Probleme, die eigentlich einen HNO-Arzt erforderten. Und da er die letzten beiden Nächte schon nicht geschlafen hatte musste das jetzt natürlich schnell gehen. Also rief er mich morgens in aller Frühe an, damit ich ihm vom Hausarzt eine Überweisung hole. Ging natürlich nicht, da neues Quartal. Also zu ihnen gefahren, KV-Karte geholt, zum Hausarzt gefahren, Überweisung geholt und wieder zurück. Tja, und dann gab es eben wieder das „Treffen der Generationen“. Mein Opa rief in der HNO-Praxis an. Mittlerweile war es kurz vor Mittag. Und komischerweise gab es sowohl an diesem als auch am Folgetag keinen Termin mehr. Nichts zu machen. Hatte ich ihm vorher schon gesagt, wollte er mir aber nicht glauben.  Die HNO-Praxis verwies ihn dann wieder an den Hausarzt. Der könnte ja zumindest mal drauf gucken. Also beim Hausdoc angerufen und noch nachmittags einen Termin ergattert. Pünktlich dagewesen und ins Wartezimmer gesetzt. In den ersten 5 Minuten wurde 3 mal auf die Uhr geguckt, ständig auf dem Stuhl hin und her gerutscht, etc. Das Standardprogramm eben. Nach 8 Minuten gings dann bereits ins Sprechzimmer. Sein Kommentar: „Das wird ja auch Zeit!“ Nach 5 Minuten im Sprechzimmer und Warten auf den Arzt: „Wie lang dauert das denn noch?“ Nach insgesamt 8 Minuten kam der Arzt. Konnte letztlich nichts machen und organisierte für den nächsten Tag noch einen Termin in einer anderen HNO-Praxis.

Aber das geht nicht in die Köpfe meiner Großeltern, daß man auch mal warten muss, besonders, wenn man irgendwie dazwischen geschoben wird. Das ist heutzutage einfach so und wird eher noch schlimmer. Wenn Berufstätige dann etwas Zeitprobleme kriegen kann ich das ja verstehen. Aber wenn man sonst an diesem Tag nichts mehr vor hat? Ob man jetzt zuhause vorm Fernseher sitzt oder im Wartezimmer ist doch ziemlich egal, oder?

  1. Ha, genau meine Worte! 😉

  2. adameus23

    Ich habe nach den Weihnachtsfeiertagen mal wegen geplatztem Trommelfell sagenhafte 8(!) Stunden in einer HNO-Praxis gewartet. Und selbst da habe ich nicht gemotzt, denn nach den Feiertagen war es einfach hoffnungslos überfüllt…

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