Erste Hilfe

Der Motorradhelm

Der Motorradhelm ist immer ein besonderes Diskussionsthema in Erste Hilfe – Kursen, mal mehr mal weniger ausgiebig, zumal die Lehrmeinung diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder gewechselt hat, was das Ausziehen des Helms angeht.

Gängige und aktuelle Lehrmeinung ist auf jeden Fall, dass der Helm eigentlich ausgezogen werden muss, wenn der Motorradfahrer bewusstlos ist und man ihn in eine sinnvolle und adäquate stabile Seitenlage legen will. Denn nur ohne Helm können der Kopf korrekt überstreckt und die Atemwege freigehalten werden. Nun gibt es dabei gleich mehrere Problemstellungen zu meistern. Zum einen gibt es mittlerweile unzählige Verschlussmechanismen des Helms. Manche haben eine feste Kinnpartie und Kinngurt, genannt Integralhelm, manche können die Kinnpartie zur Seite weg klappen, manche nach oben. Manche Helme haben gar kein Kinnstück und etwas bessere Helme haben Bruchstellen im Kinnstück, die es erlauben, den unteren Teil des Helms nach außen wegzubrechen. Aber wer weiß das schon? Besonders Laien und Nicht-Motorradfahrer sind da schnell überfordert.

Hat man dann diese erste Hürde gemeistert, muß man den Helm irgendwie vom Kopf kriegen. Ist man als Helfer allein wird es dann erst so richtig schwierig, denn die Helme sitzen ja in der Regel recht eng und wenn man dann versucht, irgendwie diesen Helm vom Kopf zu ziehen, muss man recht schnell etwas Gewalt anwenden und für die Halswirbelsäule ist das dann auch alles andere als förderlich.

Sobalt man zu zweit ist wird es etwas einfacher. Einer der Helfer kann dann die HWS stabilisieren, während der andere den Helm langsam vom Kopf zieht.

Nun gab es gestern im Erste Hilfe – Kurs einen ganz neuen Vorschlag: Warum baut man nicht an der Oberseite des Helms einen Griff ein, den man als Helfer, und besonders wenn man allein ist, verwenden kann, um den Helm vom Kopf zu ziehen? Eine Motorradfahrerin bemängelte dann direkt Einschnitte in der Aerodynamik. Aber das ist denke ich nicht das einzige Problem. Denn wenn man den Helm einfach nach oben abziehen will ist zum einen die Nase im Weg, zum anderen ist das vermutlich ähnlich schädlich für die HWS wie die normale Variante ohne Griff.

Aber zumindest hätte man eine Trage- bzw Haltemöglichkeit und das Einsammeln von geköpften Fahrern bzw deren Köpfen würde auch etwas erleichtert werden.

  1. ch-student

    Des lieb ich an den Leuten aus dem Gesundheitswesen: Praktisches Denken geht vor Ekel *g*

  2. Aaaaalso….

    Heißes Thema… in jedem Kurs… immer…
    Ich plauder mal aus meinem Nähkästchen, vielleicht hilft dir das weiter.
    Zu Beginn dieses Blocks mach ich immer eine Umfrage: Wer würde den Helm abnehmen und wer nicht… Zumeist schreit dann schon einer „Verletzung Wirbelsäule – und dann mach ich da was kaputt…. Uähhhh“… Daraufhin fliegt bei mir immer ein Edding durchs Zimmer… Mit dem Kommentar „Das ist der Motorradfahrer *Stift fliegt mit Schwung zu Boden* Das ist war sein Unfall. *Stift aufheben* Das ist Ihre Erste Hilfe. Wo wirken die größten Kräfte?“

    Folglich habe ich erklärt, dass die Gefahr, etwas kaputt zu machen, was vorher noch nicht kaputt war, eher gering ist… und wenn man ihnen noch klar macht, wie groß die Gefahr ist, mit Helm an Erbrochenem zu ersticken…. und dann kommt noch ein wenig Statistik ins Spiel… nämlich dass von 100 gestürzten Motorradfahrern 94 nix an der Wirbelsäule haben… aber gut ersticken können im Helm…

    Hat bisher noch immer funktioniert… unkonventionell – aber wirkungsvoll….

  3. @Mayla: Danke für die Tipps, ist natürlich auch ein guter Ansatz mit dem Edding 🙂
    Wobei ich da auch nie ein Problem habe, den Teilnehmern deutlich zu machen, dass die freien Atemwege wichtiger sind als die Gefahr, die Wirbelsäule weiter zu schädigen.

  4. Naja… beigebringen kann man es immer irgendwie… Ich hab nur die Erfahrung gemacht, dass das die Variante ist, wo am wenigsten Zweifel und Diskussion entstehen… Kann manchmal sehr anstrengend sein…

  5. Ich habe da mal eine Frage: Schon als Kind wurde mir erklärt wenn man verunfallten Motorradfahrern helfen möchte solle man niemals den Helm abziehen.

    Der Grund war, dass wenn der Schädel gebrochen ist und ich den Helm abziehe der Schädel „auseinanderfällt“.

    Ich habe an diese Aussage immer geglaubt…

    was ist an dieser Aussage dran?

  6. @Mo: Ich weiß leider nicht, wie lange deine Kindheit her ist. Aber wie im Beitrag schon gesagt hat sich diesbezüglich die Lehrmeinung in den letzten Jahren immer mal wieder geändert. Und die aktuelle Lehrmeinung ist, dass der Helm bei bewusstlosen Patienten ausgezogen werden sollte, da nur ohne Helm eine adäquate stabile Seitenlage hergestellt werden kann. Und nur in der stabilen Seitenlage hat man einen halbwegs brauchbaren und einigermaßen freien Atemweg.

    Falls der Schädel so arg gebrochen bzw verletzt sein sollte, daß er ohne Helm auseinander fallen würde, wäre das auch deutlichst dem Helm anzusehen und dann wäre es wohl eh sehr schwierig, den Helm zu entfernen. Denn ob es ohne Deformation des Helms zu so argen Verletzungen innerhalb des Helms kommen kann ist fraglich.

    Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen. Ob man wirklich den Helm auszieht ist natürich jedem selbst überlassen und ich kann hier nur sagen, was aktuelle Lehrmeinung ist.

  7. Danke für deien Antwort.
    Meine Kindheit ist etwa 16 Jahre her.
    In der Tat klingt es logisch, dass unter einem kaum beschädigten Helm nicht ein Schädelbruch liegen kann.

    Okay, also Helm ausziehen…wobei ich hoffe, dass ich nie in eine solche Situation komme.

    • Naja, der Schädel könnte dann trotzdem eventuell gebrochen sein. Aber auseinanderfallen wird er vermutlich dank Schwarte etc nicht 😉

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