Zum Grübeln

Stolz und Vorurteil

Das Leben ist nicht leicht. Medizinische Diagnosen zu stellen oder korrekt zu handeln manchmal noch viel schwieriger. Leider hat es, was negative Berichte in den verschiedensten Blogs angeht, momentan irgendwie besonders die Hausärzte getroffen. Egal, ob in verschiedenen Beiträgen meines Blogs, oder auch beim Monsterdoc oder im RetterBlog, irgendetwas gibt es eben immer an den Doktoren zu bemängeln. Auch die kranke Schwester hat sich mit dem Thema Vorurteile befasst, was zu reichlich Diskussionen in den Kommentaren führte. Und damit das dort nicht irgendwo unter den Tisch fällt und jeder meint, ich würde die Hausärzte generell als völlig unfähig ansehen, hier noch einmal der ein oder andere Gedanke dazu:

Natürlich gibt es, wie eigentlich in jedem anderen Berufsbild auch, bei den Hausärzten sowohl gute und kompetente Beispiele als auch schwarze Schafe. Das ist denke ich jedem klar. Nur liegt es leider oft in der Natur des Menschen, sich primär an negative Erlebnisse zu erinnern und die positiven dann gerne zu ignorieren oder zu verdrängen. So auch bei mir, das gebe ich auch offen zu. Ich berichte hier eben von Erfahrungen und Einsätzen, die mich selbst beschäftigen und bei mir bzw meinen Kollegen für Diskussionsstoff sorgen / gesorgt haben. Und an diesen Erlebnissen lasse ich eben „meine“ Leser teilhaben, da sie sich, wie man ja an den Kommentaren sieht, sehr gut dazu eignen, Diskussionen anzuregen, egal in welcher Form und mit welchen Reaktionen.

Wenn ich dagegen von einem ganz normalen Einsatz berichten würde ohne jegliche besondere Vorkommnisse interessiert das denke ich weitaus weniger Menschen und es käme vermutlich erst gar keine Diskussion auf, was dann recht schnell ziemlich langweilig würde. Dass es dann momentan besonders die schwarzen Schafe bei den Hausärzten trifft ist natürlich für diese bedauerlich. Aber in anderen Beiträgen wird es dann auch wieder andere Vorfälle oder Berufsgruppen, vielleicht auch meine eigene treffen. Je nachdem, was ich eben für erzählenswert halte.

Ich lese auch eher selten Hausarzt-Blogs. Vielleicht sind dann dort öfter mal die Rettungsdienstler die Buh-Männer, die negativ auffallen. Ich weiss es nicht. Wir haben halt sehr oft mit irgendwelchen Hausärzten zu tun und dass diese immer weniger Zeit und im Notdienst auch immer größere Zuständigkeitsbereiche haben sollte auch jedem klar sein. Darum geht es mir ja auch gar nicht. Mir geht es nur darum, Patienten korrekt zu versorgen, besonders wenn es um Notfälle geht. Je nach Notfallbild braucht das auch nicht unbedingt viel Zeit, aber selbst die einfachsten Dinge sind halt immer mal wieder nicht gemacht. Und das sind dann solche Aufreger, die hier Erwähnung finden. Natürlich gibt es aber auf der anderen Seite genug andere Einsätze, die problemlos laufen.

Kurz und knapp gesagt: Ich will hier niemanden nieder machen oder die Hausärzte generell in den Dreck ziehen. Wenn das so rüber kam tut es mir leid! Es gibt natürlich auch genug Hausärzte, bei denen kann man sich sicher sein, dass alles gut läuft und der Patient gut versorgt ist. Diese können stolz auf ihre Arbeit sein und man hat immer gerne mit ihnen zu tun. Bei anderen dagegen überwiegen dann eher die Vorurteile bzw negativen Erlebnisse.

Blubb hat mich da auf eine sehr interessante Internetseite aufmerksam gemacht: Jeder Fehler zählt! Ein Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausärzte, wo Hausärzte von den verschiedensten Fällen berichten und diese kommentiert und diskutiert werden können. Wie ich finde eine sehr gute Idee. Etwas ähnliches habe ich bisher für andere Berufsgruppen leider noch nicht gesehen.

Natürlich gibt es dann auch bei uns im Rettungsdienst negative Beispiele: Kollegen, die die Atemmaske falsch herum aufsetzen. Oder Kollegen, die (aus Versehen) den knieenden Notarzt auf den Patienten stossen, der eh schon starke Schmerzen hat. Kollegen, die immer noch nicht oder nicht mehr wissen, wie man ein 12-Kanal-EKG aufklebt. Kollegen, denen man im Ernstfall genau sagen muss, was sie zu tun haben. Kollegen, die im KTW Öl nachfüllen und den Einfüllstutzen offen lassen. Kollegen, die statt Diesel Super tanken. Kollegen, die die Autos zerlegen. … Diese Liste ist eigentlich beliebig erweiterbar. Vielleicht kommt dazu auch nochmal ein längerer Beitrag. Mal sehen.

Also, nicht böse sein, liebe Hausärzte, die anderen kommen auch noch dran 😉

  1. Pflege-Uhu

    Zu den anderen Berufsgruppen fand ich letzens dies:

    https://www.kritische-ereignisse.de/startseite.html (für die Altenpflege)

    Irgendwann hatte ih auch mal eine ähnliche sehr umfangreiche Seite für den Rettungsdienst entdeckt,.. kann mich aber leider nicht erinnern.
    Geben tut es das aber…irgendwo im www 😉

  2. Ich finde das mit solchen Seiten echt gut… nur sehe ich das Problem, dass die Leute, die sich solche Seiten anschauen und mitdiskutieren genau die sind, die sich, ihre Arbeit und die Arbeit der Kollegen ohnehin schon kritisch sehen und darüber nachdenken um sich selbst weiterzuentwickeln… Läuft das nicht dann genau an denen vorbei, die es eigentlich „nötig“ hätten?

  3. Da gebe ich dir recht Mayla.
    Auch Kritik bei der Arbeitstelle bekommen immer die ab, die sehr selbstkritisch sind und danach auch Arbeiten.
    Die es eigentlich nicht betrifft sind dann die Leittragenden, müssen es ausbaden und weitergeben. Der „Täter“ (mir fällt gerade kein besseres Wort ein 😉 sorry) sagt dann ja und Amen, doch meist ändert er nichts an seiner Arbeitsweise etc.
    Das finde ich persönlich sehr sehr schade und es macht mich zeitweise sogar wütend.

    @ Chris: Wer ist den nach den Hausärzten dran? 🙂

    LG von der Geprellten *autsch* Maren

  4. Rettungsschnuffi

    für den Bereich Rettungsdienst/Notarztdienst gibt es das Critical Incident Reporting System (http://www.cirs-notfallmedizin.de/praeklinik/) ein anonymes Berichtsystem zur Verbesserung des Risikomanagement im Rettungsdienst.

    mittlerweile auch für den klinischen Bereich: http://www.cirs-notfallmedizin.de/klinik/

  5. Non-Chef-Arzt

    Tja, die schwarzen Schafe gibt es in allen Berufsgruppen, hab sie alle schon gesehen, Hausärzte, Klinikärzte, Notärzte (Kommentar neulich bei Pat. mit Paracetamol-Intox: tja, ich hab die NEPHROtoxische Dosis jetzt nicht ausgerechnet….).
    Was mich an Krankenwagenfahrern;-) oft echt nervt ist das totale Desinteresse an ihrem Beruf.
    Pat mit Dyspnoe-habt ihr mal die Sättigung gemessen?-Och, nöööö. Pat mit egal was-warum denn Blutdruckmessen?-weil er in der Notaufnahme einen Druck von 230 syst. hat!§$%&*’*grrr….Pat. mit frischer Halbseitenlähmung seit einer Stunde-na wir wollten ihn erst mal ins Kreiskrankenhaus zur Primärversorgung statt ins neurologische Zentrum mit Lysemöglichkeit bringen……Das sind die schwarzen Schafe unter den Rettungssanis und die haben eine andere Berufsbezeichnung als Krangewarefahrer echt nicht verdient! Übrigens liebe Grüße an all die tollen Rettungssanis, die mir in meinem Dienst schon begegnet sind und bei denen ich wirklich ein beruhigtes Gefühl hätte, wenn sie meine Angehörigen transportieren!

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