Erste Hilfe

Erste Hilfe – Muffel

Es ist schon ein Phänomen. Egal, mit wem man spricht: Wenn man aus irgendeinem Grund auf das Thema Erste Hilfe zu sprechen kommt, erzählen die meisten, der letzte Kurs wäre zum Führerschein gewesen, was teilweise 20 – 30 Jahre her ist, und man müsste ja eigentlich unbedingt mal wieder sein Wissen auffrischen. Aber bei diesen Aussagen bleibt es dann auch meist.

Das sehe ich auch gerade wieder. Wieder mal einen öffentlichen Kurs angesetzt, in dem die Teilnehmer ihr Wissen auffrischen könnten. Dieser Kurs steht seit Wochen in der Zeitung, in den örtlichen Arztpraxen gibt es Aushänge, Fahrschulen und diverse Betriebe wurden angesprochen/angeschrieben und die Mundpropaganda sollte eigentlich ihr übriges tun. Und das Feedback dazu? Bisher ganze zwei Anmeldungen. Freiwillig will dann irgendwie doch kaum jemand seine Freizeit mit Erste Hilfe verbringen. Plötzlich haben die Leute keine Zeit mehr oder natürlich gerade an diesen Tagen etwas anderes vor. Auch kümmern sich viele Betriebe nicht von selbst um regelmäßig Auffrischungen.

Wirklich schade. Da kann man sich dann nur wünschen, daß man im Ernstfall nie von diesen Personen gerettet werden muss. Ich teste das ja immer gerne in meinen Erste Hilfe – Kursen z.B. mit der stabilen Seitenlage. Ohne vorher großartig etwas darüber zu erzählen lasse ich die Kursteilnehmer mal probieren, welches Wissen noch hängen geblieben ist. Und selbst in den alle zwei Jahre stattfindenden Auffrischungskursen in manchen Betrieben sind die Ergebnisse meist recht kritisch und äusserst ungesund für die Wirbelsäule zu betrachten. Und bei der Reanimation ist es eigentlich nicht anders.

Ist es wirklich so schwer, solche Kurse gesetzlich als regelmäßige Pflichtveranstaltung zu deklarieren? Selbst wenn viele Menschen dazu scherlich keine Lust hätten, würde, allein schon durch die regelmässige Auffrischung, auf jeden Fall etwas Wissen hängen bleiben und die Überlebenschancen im Ernstfall würden sich denke ich erhöhen.

Vielleicht sollte ich auch mal eine Petition beim deutschen Bundestag starten.

  1. chefarzt

    Sinnvolle Idee. Die generelle Meinung ist ja die: „Lieber gar nicht helfen, als etwas falsch zu machen“. Also ran an die Kurse.
    Übrigens viel sinnvoller als überall Defibrillatoren aufzuhängen.

  2. Bei dieser „generellen Meinung“ verweise ich dann gerne auf den Paragraphen 323c unseres Strafgesetzbuches, die unterlassene Hilfeleistung. Dass man für sowas auch eventuell ein Jahr Knast kassiert oder zumindest eine ordentliche Geldstrafe ist den wenigsten bewusst bzw anscheinend auch egal.
    Und auch wenn man Angst hat oder sich ekelt: Zumindest einen Notruf absetzen kann man. Aber selbst das machen die wenigsten. Echt traurig.

  3. Das Problem mit der Pflicht ist einfach: Wer soll das überprüfen? Theorrtisch ein sehr guter Vorschlag, praktisch nur recht schwer durchzusetzten. Ich denke, man muss die Betriebe mehr dazu bringen, ihre Mitarbeiter regelmäßiger in Erster Hilfe Schulen zu lassen. In aller erster Linie denke ich da an Außendienstmitarbeiter öffentlicher Verwaltungen, Beschäftigte im ÖPNV und Taxifahrer. Irgendjemanden aus diesen Berufsgruppen trifft man ja immer auf der Straße.

  4. schockzeichen

    Naja… ganz einfach… man hänge es an den Tüv… Wer alle 2 Jahre die Plakette will, soll eine aktuelle EH-Bescheinigung vorlegen, ansonsten gibts keine Plakette…
    Ab da würden die Leute auch – zwar gezwungenermaßen, aber das ist ja der Punkt – alle 2 Jahre ihren Kurs wiederholen.

    Wahrscheinlich gibt’s da auch irgendwelche Schlupflöcher, aber das wäre schon mal ne Arbeitsthese 😉

  5. @simon: Leider sind die Betriebe da auch sehr nachlässig. Bei vielen muss man immer und immer wieder nachfragen hinsichtlich Kursen. Und wenn man es nur an die Betriebe bindet: Was ist mit den 5 Millionen Arbeitslosen oder wie viele es jetzt auch immer sind? 😉

    @schockzeichen: Erstes Schlupfloch wären Neuwagen: Da hast Du dann direkt mal drei Jahre Zeit 😉 Ne, aber ansonsten eine sehr gute Idee eigentlich mit dem TÜV.

    Ach ja, hab auch heute morgen meinen LSM-Kurs abgesagt, da nur 3 Teilnehmer da waren :-/

  6. Die Idee mit dem TÜV finde ich ansich nicht schlecht. Aber wie erreichst du dann all diejenigen die garkein Auto besitzen?
    Und in den Betrieben ist doch zumindest ein Grund warum sie die Mitarbeiter nicht zu EH Schulungen schicken die Tatsache das es Zeit und somit Geld kostet. Traurig aber wahr.

  7. Also zu den Betrieben muss ich jetzt einfach mal was sagen… Je nach Größe sind betriebliche Ersthelfer oder sogar Betriebssanitäter vorgeschrieben… Diese müssen spätestens alle 2 Jahre, je nach Job sogar jährlich EH-Trainings oder -Kurse besuchen. Dies ist eine Vorschrift der Berufsgenossenschaften und wird auch von denen bezahlt (was natürlich nicht heißt, dass es den Betrieb nicht auch was kostet, da die Arbeitskraft ja nicht zur Verfügung steht, der Lohn aber trotzdem gezahlt werden muss).
    Ob diese Kurse besucht werden, wird (zumindest hier) sehr streng kontrolliert, genauso wie die Ausbilder besondere Qualifikationen nachweisen müssen (Fortbildungsstunden, aktive Teilnahme an Sanitäts- und Rettungsdienst etc.). Wer hier mehr wissen möchte, schaut bitte hier (Ersthelfer) und hier (Betriebssanitäter).

    Natürlich trifft man damit nicht alle. Wir haben hier, genauso wie an anderer Stelle schon häufig über die Notwendigkeit von regelmäßigen Fortbildungen gesprochen. Möglichkeiten, dies durchzusetzen sollte es in jedem Falle genügend geben… Es gibt genügend Berufe, die ein regelmäßges Vorlegen von Gesundheitszeugnissen erfordern… warum das hier nicht angliedern… Oder die Einführung von regelmäßigen Überprüfungen der Fähigkeit, ein Kraftfahrzeug zu führen… dann eben zum Gesundheitszeugnis auch ein Nachweis in EH… Oder eben an den TÜV angegliedert oder oder oder…

    Das Problem ist weniger die Möglichkeit der Kontrolle, als eher das Problem der Kosten für Ausbildung (wer möchte das schon aus eigener Tasche zahlen) als auch der Kosten für die Überprüfung…

    Und da das keiner zahlen mag, wird sich auch keiner der Offiziellen für regelmäßige Fresh ups einsetzen…. LEIDER!!!!

  8. PS: Zu den Arbeitslosen, die Chris angesprochen hatte… so böse es klingt, aber bei den 2000 Papieren, die die zur Meldung beim Arbeitsamt bringen müssen, da wäre der EH-Nachweis sicherlich auch kein Mehraufwand mehr für die Behörde 🙁

  9. schockzeichen

    Naja, wie gesagt wäre das erst mal ne Arbeitsthese… Die könnte man dann sicher noch verfeinern… und die Neuwagen haben dann halt 3 Jahre… Wobei da der Punkt ist, dass das sooo viele wohl gar nicht sind… Aber das wäre ja noch tolerabel…
    Diejenigen, die kein Auto haben, hätten dann selbstverständlich ein Schlupfloch, aber das könnte man dann ja bei Zulassung machen, sodass da dann auch Mopeds, Roller usw. integriert werden… Und wenn Leute die arbeitslos sind auch dran sollen, macht man das eben als Pflichtveranstaltung beim Arbeitsamt… Ideen hätt‘ ich da genug 😉

  10. An denen mangelt es uns wohl allen nicht, Schockzeichen… aber das liebe Geld… Zum K….

  11. ch-student

    Ich weiss auch gar nicht, wie weit her es ist mit der Motivation der Leute. Ich war schon bei vielen 1.Hilfe-Kurs wo die Stimmung ziemlich lau war, einfach weil sie nicht wirklich freiwillig da waren. Und da war eben das ganze Zeugs ganz schnell wieder ausm andern Ohr raus… Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht mit dem Organspendeausweis (der bei uns ja freiwillig ist) – viele, viele die sagen „ja das sollte ich auch endlich mal machen“ aber wenn ich ein paar dutzend Stück mitbringe, bleiben sie doch alle liegen – weil man einfach nicht zugeben wollte dass man eigentlich nicht bereit ist sich damit zu beschäftigen. Von daher ist die Zusicherung „ich sollte wohl wieder mal einen 1.Hilfe-Kurs besuchen“ für mich einzig der Ausdruck, dass man im Gespräch nicht allzu blöd dastehen möchte, mit eigentlicher Absicht hat er nix zu tun. Denn wens wirklich interessiert, der tuts eh oder ist im Samariterverein oder sonstwo wo man das hin und wieder mal hört.

  12. ch-student

    Und im Ernstfall habe ich die Erfahrung gemacht dass diejenigen die sich nie interessiert haben sich zuwenig sicher fühlen – egal wie kurz vorher ihr 1.hilfe-kurs war und deshalb „lieber mal nix tun“. Schade, aber teilweise bin ich bei gewissen Leuten froh sie setzen ihre abenteuerlichen Vorstellungen nicht in die Tat um. Da wart ich lieber ein paar Minuten länger eingeklemmt im Auto ;-(

  13. @mayla: Danke für die Links. Bei uns wird das leider alles etwas lascher gehandhabt, was Qualifikationen und Nachweise von den Ausbildern angeht. Und wirklich große Betriebe gibt es hier in der Gegend auch kaum. Un dden kleineren kann man ständig hinterherrennen und sich bemühen, aber passieren tut da nicht viel.

    @ch-student: Natürlich haben viele Leute gar keine Lust und Motvation, sich in Kurse zu setzen. Aber allein schon die regelmässige Wiederholung würde ja zumindest etwas dazu beitragen, ein rudimentäres Grundwissen aufrecht zu erhalten.

    Generell wären regelmässige Pflichturse sicherlich irgendwie machbar. Von der Regierung wird so viel Geld für allen möglichen Mist ausgegeben, da wird ja wohl auch noch etwas für die Erste Hilfe übrig sein.
    Aber das würde ja dann wieder in Arbeit ausarten. Also lassen sie es lieber direkt. Echt traurig, sowas!

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