Erste Hilfe

Der intraossäre Zugang

Im Rahmen der jährlichen Fortbildung ist dieses Jahr beim DRK in Rheinland Pfalz wieder mal der intraossäre Zugang Thema. Dabei wird im Gegensatz zur normalen Venenverweilkanüle keine Vene punktiert, sondern ein Knochen. Die Stahlkanüle wird dabei bis zur Knochenmarkshöhle in den Knochen eingestochen und da die Knochenmarkshöhle gut durchblutet ist, können (grob gesagt) Medikamente ähnlich wie beim normalen Zugang verabreicht werden. Gedacht war diese Zugangsart früher primär für Kinder, bei denen man eher schlecht brauchbare Venen gefunden hat. Mittlerweile wird diese Technik aber auch bei Erwachsenen angewendet. Punktionsort ist dabei primär der obere Teil des Schienbeins. Möglich sind aber auch u. a. der Oberarm, das Schambein oder auch das Brustbein (F.A.S.T.-System).

Nun gibt es zum Einstechen der Nadel verschiedene Möglichkeiten. In früheren Fortbildungen tauchte zum Beispiel die „Cook – Nadel“ auf. Dabei hat die Nadel eine Art Knauf an ihrem Ende und wird mit recht viel Kraftaufwand händisch in den oberen Teil des Schienbeins gebohrt. Dies kann zum einen recht brutal aussehen und ist auch mit etwas Übung verbunden.

Link: Youtube-Video: IO-Zugang mit Cook – Nadel

Zweite Möglichkeit ist die „Bone Injection Gun“. Wie der Name schon vermuten lässt, wird die Nadel dabei mit einem Federmechanismus in den Knochen geschossen.

Link: Youtube-Video: IO-Zugang mit Bone Injection Gun

Dritte Möglichkeit und dieses Jahr in der Fortbildung gezeigt ist das „EZ-IO“ – System. Dabei wird die Nadel mit einem kleinen Akkuschrauber in den Knochen gebohrt. Die Methode ist auf jeden Fall einfacher als etwa mit der Cook-Nadel. Ich bin allerdings mal gespannt, wann es die ersten Beschwerden von Angehörigen geben wird, wenn ich den „Akkuschrauber“ auspacke und damit den Patienten anbohren will.

Wir haben das nur an Versuchsknochen geübt. Die Amerikaner scheinen da etwas schmerzfreier zu sein, wenn man sich die vielen Videos dazu auf Youtube ansieht. Deshalb hier nur ein Beispiel. Dabei sollte man mal darauf achten, wie schnell der Arzt die Nadel am Ende wieder heraus zieht und wie lange die späteren Probanden dafür brauchen. Sieht auf jeden Fall sehr unangenehm aus:

Link: Youtube-Video: IO-Zugang mit EZ-IO

Mal sehen, wie sich dieses Thema entwickelt. Bei uns in der gGmbH sollen die Systeme eh nur auf die NEFs. Von daher werden wir nicht so viel davon haben bzw eher selten im Einsatz sehen.

Die Videos habe ich extra nur verlinkt und nicht eingebettet, weil es nicht unbedingt immer schön anzusehen ist. Also wer damit etwas Probleme hat, sollte sich die Videos vielleicht nicht ansehen.

  1. chefarzt

    Wir haben auch seit kurzem den Bohrer. Habe ihn bislang noch nicht gebraucht. Er soll aber laut Aussagen der Probanden nicht schmerzhafter sein als ein intravenöser Zugang, scheinbar.

  2. Mercator

    Ich habe mir als Kind mal beim Hinfallen ca. 5 cm Schienbeinknochen freigelegt…
    Keiner wollte mit damals so recht glauben, das ich eigentlich (abgesehen vom Anfangsschreck) keine Schmerzen hatte. Insofern glaub ich schon, das diese Methode am Schienbein funktioniert. Wenn allerdings die gleiche Geräuschentwicklung wie beim Zahnarzt auftritt, wird man das „Opfer“ unter Umständen festhalten müssen ; ))

  3. Rettungsschnuffi

    moin,

    wir nutzen bei uns die BIG, ist auf allen RTW und NEF verlastet.
    Habe das System bisher bei 2 Einsätzen benutzt und hat sehr gut funktioniert. Ein Patient mit schweren Verbrennungen am Oberkörper, sodass keine Punktionsmöglichkeit an den Armen möglich war und ein Patient mit Polytrauma im Schock bei dem schlechte Venenverhältnisse vorlagen.

    Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, beim zweiten Patienten gab es Schmerzen beim anfänglichen Einlaufen der Druckinfusion, was durch die frühzeitige Gabe von Ketanest allerdings kein Problem mehr darstellte.

    Wichtig beim i.o.-Zugang ist das Anspülen mit 10-20ml NaCl um den Knochenmarksraum durchgängig zu machen und die anschließende Druckinfusion. Medikamente werden genauso dosiert wie beim i.v.-Zugang.

  4. @chefarzt: Also laut unserem Dozenten soll es ähnlich schmerzhaft wie der normale iv-Zugang sein. Das Durchstechen der Haut ist wohl etwas schmerzhaft sowie das Durchbohren der Knochenhaut. Auch soll das erste Anspülen etwas unangenehm ein. Ansonsten aber recht schmerzfrei.

    @Mercator: Von der Geräuschkulisse ist es eben ein Akkubohrer. Also nicht so hochfrequent wie beim Zahnarzt. Zum Glück. Sonst würde ich das Ding wohl auch nie anwenden wollen 🙂

  5. Mit dem aktuellen ITLS-Kurs ( http://www.status6.de/?p=1058 ) habe ich ebenfalls die Anwendung des „EZ-IO“ geübt (ebenfalls am Phantom) und kann mir sehr gut diese „Akkuschrauber“ auf den RTW und NEF vorstellen. Bisher wurde hier im Norden nur die „Cook Nadel“ bzw. auf einigen NEF die „BIG“ vorgehalten.

    In Hamburg sind derzeit die neuen EZ-IO’s auf einigen NEF im Test.

    Die Anlage via „Akkuschrauber“ soll wie bereits beschrieben dem Schmerz einer i.v.-Punktion ähneln – ich habe gehört, das das erste „Anspülen“ und damit das „Öffnen“ des Knochengewebes etwas schmerzhaft sei – habe habe derzeit noch keine Erfahrung gesammelt.

    Laut Hersteller hält die eingebaute und nicht wechselbare Batterie ca. 700 Anwendungen: „The batteries have a 15 year shelf life and are good for 700 insertions.“ – Ich denke, das dass reichlich sind und bei den meisten Geräten nicht einmal annähernd erreicht wird (auch in 15 Jahren nicht).

    Ich bin sehr gespannt, ob und wann diese Technik bei uns um- bzw eingesetzt wird…

  6. krankenhausblogger

    Unser NEF hat die Cook-Nadel, die NEF der Nachbarstadt die EZ-IO. Soll sich bewährt haben.

    Hier noch ein Link zur EZ-IO Humeruspunktion unter Reanimation:

  7. Hi Rettungsschnuffi,

    wir haben die BIG für Erwachsene und Kinder auf dem RTW. Da wir hier in der Schweiz kein Notarztsystem haben kam ich jetzt draussen mal in die Verlegenheit einen IO-Zugang bei einem Erwachsenen zu legen und ich muss sagen, dass das richtig gut ging und recht unkompliziert war. Tolle Sache!

    Gruss

    Sven aka Winny

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