Suchbegriffe

Suchbegriffe April ’09

Und wieder einmal ist es soweit. Es folgt die Liste der interessantesten Suchbegriffe im letzten Monat:

– „kann man nach dem man erstickt ist und das gehirrn viel zuwenig sauerstoff bekam wieder reden“

Ähm, also wenn man wirklich erstickt ist man wohl tot und dann redet der Durchschnittsmensch in der Regel gar nicht mehr. Falls man einen Sauerstoffmangel doch überleben sollte (dann ist man allerdings nicht völlig erstickt) ist das Outcome eben davon abhängig, wie lange das Gehirn keinen Sauerstoff bekommen hat. Man sagt, dass man nach etwa 5 Minuten ohne Sauerstoffversorgung die ersten irreparablen Hirnschäden hat. Ich hatte aber auch schon Patienten, die nach einem Suizidversuch durch Erhängen wieder vollkommen fit waren, da die Sauerstoffversorgung nur für wenige Sekunden unterbrochen war.
Generelle Verhaltensrichtlinien bei Atemnot / Ersticken gibt es aber auch im Erste Hilfe – Kurs, z.B. beim DRK.

– „100 schläge pro min lied“

Das ist die optimale Taktfrequenz zur Reanimation und Lieder gibt es in der Richtung einige, die rund 100 bpm haben. Nähere Infos dazu z.B. hier.

– „suizidversuch wie geht es weiter“

Das kommt darauf an, wie erfolgreich der Suizidversuch war. Wenn er erfolgreich war, müssen sich Angehörige wohl um eine Beerdigung kümmern. Wenn er nicht ganz erfolgreich war kann es durchaus sein, dass man durch irgendwelche Verletzungen, Sauerstoffmangel etc zum Pflegefall wird, je nachdem, auf welche Weise man versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Wenn man das Ganze körperlich halbwegs unbeschadet übersteht geht es dann vermutlich in psychiatrische Behandlung. Manche Suizidandan nutzen einen solchen Versuch dann auch, um noch einmal komplett neu mit ihrem Leben anzufangen.

– „wie macht man als Laie einen luftröhrenschnitt mit einem Kuli“

Als Laie am besten gar nicht. Denn die Gefahr, dem Patienten dadurch noch weitere, im schlimmsten Fall tödliche, Verletzungen zuzufügen ist dann doch höher als den Luftröhrenschnitt erfolgreich durchzuführen!

– „Besteht beim Rettungsdienst HIV aids gefahr“

Die Gefahr besteht nicht nur beim Rettungsdienst, wie die Presse in den letzten Tagen wieder mal gezeigt hat. Und wenn man immer schön Handschuhe trägt, sich nicht an irgendwelchen Kanülen sticht und auch sonst nicht mit irgendwelchen Körperflüssigkeiten eines Patienten in Kontakt kommt ist die Gefahr nicht größer als ausserhalb des Rettungsdienstes.

– „wie schreibt man Chlostridien“

Ähnlich wie es der Suchende getan hat, nur ohne das „h“. Der korrekte Fachausdruck dazu lautet „clostridium difficile“.

– „was passiert wenn ich 100 markumar tabletten schlucke“

Dann hat der Schluckende eine Tablettenintox, eine vermutlich nicht mehr vorhandene Blutgerinnung und eine sehr hohe Blutungsneigung.

– „Wann sterben noroviren“

Leider nicht früh genug. Aber ernsthaft: Noroviren sind sehr resistent, können Temperaturschwankungen zwischen -20° und +60° Grad verkraften (also theoretisch sogar einen normalen Waschgang) und bis zu 12 Tage überleben. Sie sind also sicher nicht zu unterschätzen.

– „hubschrauber ec135 körpergröße“

Man sollte nicht unbedingt ein Riese sein. Ich mit meinen 1,97 m passe mit Helm gerade so ins Cockpit und da muss ich schon sehr mit meinen langen Beinen aufpassen. Zusätzlich gibt es wohl, zumindest beim ADAC, einen maximalen BMI von 30 als Einstellungsvorraussetzung.

– „blutzucker bestimmung iphone“

Also so ein iPhone kann ja sicherlich viel, aber den BZ bestimmen wird es sicherlich nie können.

Sehr schön auch: Wenn man in der Wikipedia nach „Tablettenintoxikation“ sucht, werden keine Übereinstimmungen gefunden, aber als Alternative „Touristeninformation“ vorgeschlagen. Tja, nur knapp daneben.

  1. Suizidversuch: Alle drei teilweise knapp überlebten Suizidversuche führten mich, z.T. mit dem Umweg über die Intensivstation, auf geschlossene bzw. „geschützte“ Stationen in der Psychiatrie und dann für Wochen auf „normale“ Depressionsstationen.

    Luftröhrenschnitt: Ich habe so das unbestimmte Gefühl, daß mit einem Kuli zu schneiden recht mühsam werden dürfte.

    100 Marcumar: Ich habe schon Menschen bei weit geringerer Überdosierung (akzidentell) innerlich verbluten sehen.

    Hubschrauber: Dann bin ich noch zu fett. Ist aber eh egal- ich bekäme niemals die erforderliche Tauglichkeit bescheinigt wegen meiner Krankengeschichte.

    i-Phone: Daß man da auch noch mit telephonieren kann finde ich bemerkenswert.

  2. torschtl

    das mit dem iPhone stimmt so nicht. Mit der im Sommer erscheinenden Firmware 3.0, wird es möglich sein Zusatzgeräte an das Iphone anzuschließen. Bei der Präsentation wurde unter anderem die Möglichkeit gezeigt, dass eine Blutdruckmanschette an das iPhone angeschlossen wird und auch das mit der Blutzuckermessung wurde behandelt. Eine Firma ist gerade dabei, ein Programm inkl Zusatzgerät für das iPhone zu entwickeln.
    Es wird auch möglich sein, die Messerwerte direkt aus dem Programm heraus an den Hausarzt zu übermitteln.

    zu sehen ist das hier: http://www.apple.com/iphone/preview-iphone-os/

  3. Zum Luftröhrenschnitt: Wenn man weiß, wie es geht, ist es eigentlich gar nicht so schwer. Schneiden muss man nämlich gar nicht. Mit der Mine ein Loch stechen, mit der Hülle das Loch erweitern und die Hülle quasi als Tubus verwenden. Detaillierter werde ich jetzt hier aber sicherlich nicht 😉

    Zum iPhone: Das ist ja mal krass. Ich hab das echt für nen Scherz gehalten. Aber da muss ich dann dem kranken Pfleger Recht geben: Schön, dass die ursprüngliche Funktion, nämlich das telefonieren, noch nicht ganz aus den Handys verschwunden ist.
    Dann dauerts ja vermutlich auch nicht mehr lange, bis wir Tricorder haben bzw die Patienten sämtliche Vitalzeichen mittels Handy an den Doc übermitteln können, Hausbesuche entfallen und wir die Patienten aufgrund vom Handy gestellter Diagnosen aufsuchen 😉

  4. chefarzt

    Mit dem iPhone kann ich demnächst defibrillieren … Sehr vielseitiges Gerät.

  5. Hm, da braucht man dann aber ein zusätzliches Akku-Pack 😉
    Und es wird vermutlich in Zukunft öfter Verbrennungen am Ohr geben, wenn der Defi versehentlich beim telefonieren auslöst 🙂

  6. Der Elektrorasierer fehlt da noch. Aber ich rasiere mich eh mit dem Messer, da tangiert mich das nicht.

  7. ch-student

    ahem, jetzt mal ernsthaft gefragt: in welchem fall würdet ihr als ersthelfer tatsächlich eine koniotomie „mit sackmesser und kulihülse“ durchführen? also ich würde mich nicht trauen, obwohl ich wüsste wie…

  8. @ch-student:
    Als Ersthelfer: NIE! Im Rettungsdienst: NIE! (bei letzterem kann ich aber nur für mich sprechen)

    Es ist erstens nicht so einfach, wie es bei MacGuyver aussieht (das erfordert eine große Kenntnis der Anatomie, der Technik etc.) Selbst Notärzte vermeiden das draußen, wo es nur geht…

    Zweitens: Schon mal versucht, auf Dauer durch ein Kuli-Röhrchen zu atmen? Das ist tierisch anstrengend, weil der Durchmesser zu klein ist für eine vernünftige Belüftung…

    Sollte jemand zB auf Grund einer Anaphylaxie oder sonst einer respiratorischen Ursache bewusstlos werden oder gar reanimationspflichtig, dann bitte an die „normale Vorgehensweise“ halten… Evtl versuchen zu beatmen (was vermutlich nicht funktionieren wird) und ansonsten halt ggf. Herz-Druck-Massage und schnellstmöglich den Notruf absetzen……

  9. Ne, ich würde auch als Rettungsdienstler sicherlich keinen Luftröhrenschnitt machen. Zumindest nicht mit Kuli. Wir haben da spezielle Sets (Quicktrach), die uns sowas ermöglichen. Aber das überlasse ich dann auch gerne dem Arzt. Denn selbst mit diesem Set ist das ganze nicht ohne Risiken!

  10. ch-student

    Vielen Dank für eure Bestätigung, ich werd das mal meinen sprücheklopfenden Kollegen im Seziersaal ausrichten *g*

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