Zum Grübeln

Ungeeignet für Luftrettung?

In den Anfängen meiner Rettungsdienst – „Karriere“ hatte ich mal den Plan, irgendwann in Richtung Luftrettung zu gehen. Meine knapp 2 Meter Körpergröße wären da aber sicherlich nicht hilfreich und in „unserem“ RTH Christoph 10, einer EC 135, dem verbreitetsten Hubschraubertyp in der Luftrettung unseres Landes, war es für mich in der Vergangenheit immer schon recht eng, wenn ich mal damit geflogen bin.

Christoph 10 nach dem Start

Vorgestern war es dann seit langem mal wieder soweit. Wir waren zusammen mit dem RTH bei einem Einsatz und die Patientin wurde bodengebunden mit dem RTW und dem Notarzt vom RTH ins Krankenhaus gebracht. Das ist für uns dann oft eine Möglichkeit, dass einer von der RTW-Besatzung mit zum Krankenhaus fliegen kann und der Rettungsassistent des RTH im RTW mitfährt. Gesagt, getan.

Dann großes Staunen am RTH. Dieser hat jetzt nämlich ein Doppelsteuer. Somit hat nicht nur der Pilot Steuerknüppel und Pedale, sondern auch der Rettungsassistent, damit dieser, falls dem Piloten etwas passiert, im Notfall die Maschine noch landen kann. Tja, und wo ich vorher schon leichte Probleme hatte, geschmeidig ins Cockpit zu rutschen, wird es jetzt noch schwieriger, denn es gibt jetzt auch noch einen Steuerknüppel (Stick, zyklische Blattverstellung, für die Flugrichtung) mittig vor dem Sitz und einen zweiten Steuerknüppel (Pitch, kollektive Blattverstellung, für Steigen und Sinken) links neben dem Sitz (Infos zur Steuerung eines RTH gibt es hier). Also musste ich erst mal meinen rechten Fuß (Schuhgröße 47) irgendwie zwischen Stick und Mittelkonsole durchmanövrieren. Ging dann auch irgendwie. Aber ich war froh, als ich endlich sass. Während dem Flug war es dann auch nicht so leicht, meine langen Extremitäten von den einzelnen Steuerknüppeln fern zu halten, da es draussen auch recht windig und regnerisch war und die Maschine doch recht gut durchgeschüttelt wurde. Mit dem Stick gelang das ja noch, aber der Pitch neben dem Sitz wurde anfangs von mir leicht gedrückt, was der Pilot natürlich direkt merkte.

Der Pilot beruhigte mich zwar und meinte, es gäbe auch Piloten mit meiner Größe, aber ich bin mir da nicht so sicher. Denn im Notfall muss es schnell gehen. Mit etwas Übung schafft man es vielleicht auch etwas schneller in den Hubschrauber bzw wieder hinaus, aber ich hätte da schon etwas Schiss, irgendwo mit dem Fuß hängen zu bleiben.

Mal sehen, die Zukunft wird wohl irgendwann zeigen, was sie so für mich bereit hält.

  1. Zum Glück hast du dir deine unteren Exremitäten nicht verrenkt ;).
    LG Maren

  2. Ich würde mir wohl den Bauch verrenken…

  3. krankenhausblogger

    Sind die denn nicht auf der „Beiflieger“-seite gesperrt?

    Ich bin ein paar mal mit dem Europa 1 mitgeflogen, der hat die Steuerung rechts und keine Doppelsteuerung.

    Und mal ehrlich… wie soll den ein RA so ein Ding runterkriegen? Dürfen die ab und zu mal üben oder wie?

  4. Nein, die „Beifahrer-Seite“ ist/war nicht gesperrt. Das wäre im Notfall wohl auch ziemlich hinderlich, wenn man erst irgendwie das Steuer entsperren müsste, um den RTH noch halbwegs korrekt zu landen.

    Und meines Wissens nach werden die HEMS Crew Member darin geschult, den RTH auch notlanden zu können. Ob die Piloten sie üben lassen kann ich aber leider nicht sagen. Wäre aber sicherlich nicht verkehrt.

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