Erste Hilfe

Das Rettungsdienstfachpersonal

Liebe Zeitungsfuzzies, sehr geehrte Klatschreporter,

aus aktuellem Anlass frage ich mich mal wieder, ob es wirklich so schwer ist, das Rettungsdienstfachpersonal in den Medien, wie z.B. Fernsehberichten oder Zeitungsartikeln, adäquat zu bezeichnen? Es gibt im Rettungsdienst durchaus noch andere Berufsbezeichnungen als „die Sanitäter“! Da platzt mir echt der Kragen. Wie oft habe ich in letzter Zeit wieder gelesen „Im Einsatz waren die Polizei, die Feuerwehr XY-Stadt sowie Sanitäter des DRK XY-Stadt“ oder auch gerne gelesen „Im Einsatz waren die Feuerwehr Z-Stadt, die Polizei und der Notarzt“. Allein kommt der Notarzt (in der Regel) sicherlich nicht an die Unfallstelle und irgendwer muss dann auch die Patienten betreuen / versorgen / transportieren. Und wenn man nicht weiß, welche Qualifikationen die Rettungsdienstler haben schreibt man eben „der Rettungsdienst“ oder „das Rote Kreuz“ oder ähnliches. Ihr Journalisten wollt ja bestimmt auch nicht ständig als Klatschreporter oder Zeitungsfuzzies bezeichnet werden, oder?

Daher noch einmal neben den Infos auf meiner Rettungsdienst-Seite ganz langsam und zum Mitschreiben die unterschiedlichen Ausbildungen / Qualifikationen / Berufswege im Rettungsdienst:

In Deutschland findet man im qualifizierten Rettungsdienst und Krankentransport neben dem studierten Notarzt letztlich drei Qualifikationen:

Der Rettungshelfer

Die Ausbildung des Rettungshelfers umfasst 320 Stunden. Davon sind 160 Stunden Theorie und 160 Stunden Praktikum. Je nach Bundesland sind dies entweder 160 Stunden Praktikum auf einer Rettungswache oder 80 Stunden Rettungswache und 80 Stunden Klinikpraktikum. Dabei lernt der Rettungshelfer unter anderem Grundlagen in Anatomie und Physiologie sowie häufige Krankheitsbilder und den Umgang mit Material und Patienten. Es erfolgt keine abschliessende Prüfung.

Nach der Ausbildung wird der Rettungshelfer als zweiter Mann im Krankentransport eingesetzt.

In einigen Bundesländern wie Hessen und Nordrhen-Westfalen gibt es dabei Sonderregelungen in Ausbildung und Einsatzgebiet (RTW).

Der Rettungssanitäter

Die Ausbildung dauert hier 520 Stunden und ist in vier Teile gesplittet:  Zuerst ähnlich wie beim Rettungshelfer 160 Stunden Theorie, dann 160 Stunden Praktikum in einem Krankenhaus in den Bereichen Notaufnahme, Intensivstation und Anästhesie / OP und 160 Stunden Praktikum auf einer Rettungswache. Abschliessend erfolgt ein40-stündiger Abschlusslehrgang mit Prüfung.

Dabei ist die Ausbildung in den meisten Bundesländern gesetzlich geregelt. Ein einheitliches Bundesgesetz gibt es jedoch nicht. Eingesetzt werden kann der Rettungssanitäter auf Krankenwagen als Transportführer sowie auf RTW und NAW als zweiter Mann. In manchen Regionen werden Rettungssanitäter auch als Fahrer des NEF eingesetzt.

Der Rettungsassistent

Bereits seit 1989 gibt es den einzigen bundesweit durch das Rettungsassistentengestz vom 10.07.89 gesetzlich geregelten Ausbildungsberuf des Rettungsassistenten. Die Ausbildung dauert dabei (noch) zwei Jahre und gliedert sich in ein theoretisches Jahr und ein praktisches Jahr auf einer (Lehr-) Rettungswache. Das Theorie-Jahr enthält dabei noch diverse Krankenhauspraktika in den Bereichen Pflege, Notaufnahme, Intensivstation und Anästhesie und endet mit einer staatlichen Prüfung. Das zweite Jahr wird mit einem Abschlussgespräch beendet, in dem der Auszubildende noch einmal auf seine Tauglichkeit geprüft wird.

Mittlerweile gibt es auch diverse Insellösungen mit einer dreijährigen Ausbildung und es wird diskutiert, ob die Ausbildung generell auf drei Jahre erweitert werden soll. Dies kann jedoch noch einige Jahre dauern.

Eingesetzt werden kann der Rettungsassistent dann auf allen bodengebundenen Rettungsmitteln als Transportführer. Auch ist er, wie man schon an der Länge der Ausbildung erkennen kann aber von vielen vermutet nicht der Assistent des Sanitäters, sondern der Assistent des Notarztes bzw im Ernstfall auch dessen „Ersatz“.

Alle drei Qualifikationen haben eine fundierte Ausbildung gemein, müssen sich jährlich fortbilden und verdienen es sicherlich nicht, immer nur als Krankenwagenfahrer oder Tragenträger oder sonstiges bezeichnet zu werden. Zu den Tätigkeiten des Rettungsdienstpersonals gehören unter anderem:

  • Versorgung und Betreuung des Patienten
  • Unterstützung von Notarzt und/oder Rettungsassistent
  • Wiederherstellung und Aufrechterhaltung von lebenswichtigen Körperfunktionen
  • Transportfähigkeit des Patienten herstellen
  • Ergreifung der sogenannten Notkompetenz (nur Rettungssanitäter und Rettungsassistent), bei der bei bestimmten Notfallbildern auch ohne einen anwesenden Notarzt bestimmte Medikamente verabreicht und invasive Maßnahmen vorgenommen werden dürfen

Nähere Informationen zu den einzelnen Berufsbildern findet man z.B. in der Wikipedia.

In ehrenamtlichen Bereichen gibt es noch diverse andere Ausbildungen, die aber im Rettungsdienst keine Rolle spielen und hier daher nicht angesprochen werden.

  1. Schön erklärt…

    Aber ich versteh (fast!) nicht, wie du dich da immer noch drüber aufregen kannst… Es ist leider die traurige Realität, dass es bestenfalls „den Notarzt“ und „die Sanitäter“ gibt… und allzuoft ist es „die Feuerwehr“, den den Verletzten versorgt und ins Krankenhaus bringt… und ist es ganz schlimm, dann war es „der Hubschrauber“… Seufz. Ich will gern mal nen Hubschrauber sehen, der die Vakuummatratze anformt… Ach ja…

    Und „die anderen“ kriegen auch noch richtig Geld für ihre Arbeit… oder werden zu Empfängen eingeladen und mit gutem Essen versorgt… „Die Sanitäter“ – an die will man irgendwie nicht denken… und dann ist es auch egal, ob sie Assistenten, Rettungssanitäter oder sonst was sind… Traurig!

  2. Gestern habe ich ein Schreiben von der Landesfachgruppe RD bzw Ver.di gelesen, in dem es um die Novellierung des Assistentengesetzes geht. Und dort schlagen sie vor, dass man ja dann auch für die dreijährige Ausbildung die Bezeichnung Rettungssanitäter nehmen könnte, da der „Assistent“ eben sehr missverständlich sein kann. Dann hätte sich auch das Problem mit den Zeitungsfuzzies erledigt. Nur was macht man dann mit den bisherigen Sanis???

    Aber was hast Du gegen Hubschrauber und Vakuummatratze? Also bei „unserem“ RTH ist die Matratze Bestandteil der Hubschraubertrage und wird auch als solche genutzt, wenn es nötig ist.
    Ach, nee, jetzt versteh ich glaube ich. Du störst Dich an der Bezeichnung „Hubschrauber“ und nicht Hubschrauberbesatzung oder so, oder? Naja, manchmal dauerts bissel länger, sorry. Aber ich hatte auch Nachtdienst 😉

    Und bei größeren Empfängen oder Veranstaltungen sind wir doch auch oft dabei, nur eben arbeitend als San-Dienst 😉

  3. Ohh..danke für diesen hervorragend geschriebenen Artikel!

    Es hat mir nun endlich die vielen Fragen bezüglich eurer Berufsbezeichnungen beantwortet.

    Außerdem hast du mich auf die Idee gebracht über so etwas ähnliches mal zu schreiben was unsere Berufsbezeichnung angeht.

    Danke:

    Physioblogger

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