Erste Hilfe

Rettungskette Forst

Die letzten drei Tage hatte ich Erste Hilfe – Trainings und da kam auch immer die „Rettungskarte Forst“ bzw in meinem Fall die „Rettungskarte Rheinland Pfalz“ zur Sprache. Daher auch hier noch einmal ein paar Informationen dazu:

Es kann jederzeit passieren, dass man Hilfe braucht, egal ob durch einen Unfall, Kreislaufprobleme oder warum auch immer. Solange dies zuhause oder irgendwo passiert, wo man sich noch halbwegs auskennt, sollte es kein Problem sein, Rettungskräfte zu alarmieren und ihnen zu beschreiben, wo man ist. Was passiert aber, wenn man sich irgendwo im Wald befindet? Wie erklärt man dann der Leitstelle, wo man ist? Dazu gibt es in Deutschland die „Rettungskarte Rheinland Pfalz“ bzw Rettungspunkte. Je nach Bundesland kann sich dabei die Vorgehensweise bzw Art der Rettungspunkte etwas unterscheiden, von daher kann ich nur das System in Rheinland Pfalz erklären.

Ganz Rheinland Pfalz ist in topographischen Karten im Maßstab 1:25.000 erfasst. In diesen Karten wird bei Strassen und Wegen unterschieden zwischen öffentlichen Strassen, ganzjährig gut befahrbaren Wegen sowie bedingt befahrbaren Wegen. Ausserdem sind dort die sogenannten „Anfahrpunkte für Rettungsfahrzeuge“ verzeichnet. Bei diesen handelt es sich um markante Punkte in Waldgebieten, zu denen die Rettungskräfte auch noch mit ihren (normalerweise etwas größeren) Fahrzeugen kommen können. Ursprünglich für Forstarbeiter entwickelt, die durch ihre Arbeit einem erhöhten Unfallrisiko, aber oft schlechter Erreichbarkeit der Notfallstellen ausgesetzt sind, können diese Rettungspunkte natürlich auch von „normalen“ Menschen verwendet werden, um Hilfe zu holen. Diese Rettungspunkte sind mittels Schildern markiert. Die Schilder sehen so aus:

Rettungspunkt

Weisses Kreuz auf grünem Grund, dazu eine bestimmte Zahlenkombination. Teilt man diese der Rettungsleitstelle mit, kann diese genau sehen, wo man sich befindet und Rettungskräfte zu diesem Punkt schicken. Sowohl die Leitstellen als auch die Rettungsfahrzeuge besitzen diese Karten und können direkt sehen, wo sie hin müssen und wie sie dort hin kommen. Die vierstellige Zahl gibt dabei die Kartennummer an, die dreistellige Zahl den genauen Rettungspunkt. In anderen Bundesländern kann es auch sein, dass nur eine Zahl auf den Hinweisschildern zu finden ist bzw eine abweichende Buchstaben- und Zahlenkombination, aber das System dahinter ist letztlich immer ähnlich. Auf jeden Fall sollte man der Leitstelle die Buchstaben/Zahlenkombination auf diesen Schildern mitteilen, um schneller gefunden zu werden.

Sollte man also in einem Waldgebiet verunfallen und zufällig an einem dieser Rettungspunkte sein oder wissen, wo sich ein solcher in der Nähe befindet, sollte man die Rettungskräfte dort hin lotsen. Ist die Unfallstelle etwas entfernt vom Rettungspunkt, sollte der Rettungsdienst erst zu diesem Punkt kommen und dann entscheiden, wie die weitere Rettung erfolgt (zu Fuß, per Feuerwehr,…).

Ist kein Rettungspunkt in der Nähe oder weiss man nicht, wo sich einer befindet, wird es natürlich schwieriger. Je nachdem, ob man alleine oder mit mehreren Mann ist, sollte man im Idealfall Lotsen schicken, die die Rettungskräfte zur Unfallstelle bringen können. Ist dies nicht möglich, bleibt nur noch die Ortung mittels GPS oder Handy-Funkzelle. Besonders letzteres kann aber in Waldgebieten sehr ungenau sein. Daher sollte man sich irgendwie bemerkbar machen können, z.B. eine Lichtung aufsuchen, damit der Rettungshubschrauber einen besser finden kann.

  1. schockzeichen

    Ich bin immer wieder verwundert, was Kollegen so alles in ihren Kursen erzählen „müssen“…
    Mir ist es bisher in keinem einzigen (!) Kurs passiert, dass auch nur ein Teilnehmer diesbezüglich eine Frage hatte.
    Selbstverständlich sind die Standard-Worst-Case-Szenarien à la „Ich alleine im Wald mit dem Patienten, am besten noch in einer Höhe von 200 km“ immer die gleichen, aber da geht es meinen Teilnehmern prinzipiell erstmal darum, dass sie es nicht einsehen wollen, warum man, wenn man doch kein Handy dabei hat und der Patient bewusstlos in der Stabilen Seitenlage liegt, weggehen soll, um den Notruf abzusetzen…

    Ich bin zwar der Meinung, dass die Rettungskette Forst durchaus ein Schattendasein fristet, aber auch die Wahrscheinlichkeit sie zu benötigen weitaus geringer ist, als man sich vorstellt…
    Zumindest wenn man nicht beruflich in dieser Umgebung zu tun hat…

    Aber es ist trotzdem schön, dass sich dessen mal jemand „annimmt“ 😉

  2. Das Verb „verunfallen“ gibt es nicht. Bitte ersetze es durch „verunglücken“, damit sich die Finger- und Fußnägel der Leser wieder in Normalposition zurückrollen. 😉

  3. tomatensuppe

    *hüstel*

    😉

  4. Verunfallen gibts nicht? hmmm…
    Okay… aber der Duden sagt, das Substantiv „Der Verunfallte“ gibts… kommt aus der Schweiz:

    1. Ver|un|fall|te, der u. die; -n, -n […] (Amtsspr., bes. schweiz.): jmd., der einen …

    Daher war es meinen Finger- und Fußnägeln nicht aufgefallen 😉

    Aber zurück zum Thema…
    Mir waren solche Karten nicht wirklich geläufig und meine Kursteilnehmer sind da Gott sei Dank auch etwas „rückständig“… 🙂 Aber danke für die Infos!!!

  5. @schockzeichen: Naja, ich muß zu meiner Entschuldigung gestehen, daß ich in den oben erwähnten 3 Tagen ausschließlich Forstarbeiter in den Kursen sitzen hatte 😉
    Normalerweise kommen dazu wirklich so gut wie keine Fragen. Aber ich dachte, ich könnte es mal erklären 🙂

    @Fehler: Ich versuche ja normalerweise, mich halbwegs verständlich auszudrücken. Da ich aber z.B. in der Schule noch die alte Rechtschreibung gelernt habe, kann es durchaus hin und wieder mal vorkommen, daß etwas hier komisch aussieht oder klingt, aber die neue Rechtschreibung is mir da auch manchmal einfach zu suspekt und ich gucke auch sicherlich nicht jedes Wort nach, was ich hier niederschreibe. Ich denke, jeder versteht zumindest halbwegs, was gemeint ist.
    Und wer hier Rechtschreibfehler findet darf sie gerne behalten ;-(

  6. Kann die Rettungsleitstelle eigentlich etwas mit GPS-Koordinaten anfangen? Viele Spaziergänger haben im Wald einen GPS-Empfänger dabei, z.B. eingebaut im Handy, oder als eigenes Gerät beim Geocaching. Kann die Rettungsleitstelle eigentlich mit den Koordinaten aus dem GPS etwas anfangen und notfalls einen Rettungswagen nach 50.812093 Nord, 7.121842 Ost schicken?

    Mal sehen, ob mir noch jemand auf diesen Kommentar zu einem uralten Posting antwortet…

    • Theoretisch sollte die Leitstelle etwas mit GPS-Koordinaten anfangen können, ja. Zumindest sollte das System so ausgelegt sein.
      Leider kommt es dann auch noch auf den Disponenten an. Manche wirken leider schon bei der Eingabe der Rettungspunkte überfordert. Da will ich mir gar nicht vorstellen, was diese Disponenten mit GPS-Koordinaten machen :-/

  7. Notfalls würde ich halt versuchen, dem Disponenten zu erklären, wie er die Koordinaten bei Googlemaps eingibt um dann auf der Karte den Ort zu finden. Naja, hoffentlich komme ich einfach nie in die Verlegenheit, das ausprobieren zu müssen…

  8. Rettungsschnuffi

    Moin,

    wir hatten das Ganze schonmal bei einer Übung. Dargestellt war eine Gruppe Pfadfinder, die nacheinem Unwetter hilflos im Wald waren… naja, vielleicht ein bißchen weit hergehohlt, ich weiß. Irgendwie gab es dann da auch noch ein paar Verletzte, Unterkühlte, Vermisste, etc.

    Die besagten Karten mit den eingezeichneten Rettungspunkten liegen bei uns der Leitstelle vor und sind auf den ELWs der Feuerwehr, aber nicht auf den gemeinen Löschautos oder RTWs.
    Die Komponenten des Rettungsdienstes (RTWs, SEG-Rettung, Suchhundestaffel) wurden zu einem Sammelpunkt geschickt, zu dem die Zufahrt zum Wald und dem vermeintlichen Rettungspunkt möglich war. Durch den ELW der Feuerwehr wurde der Punkt auf der KArte ausfindig gemacht und dann ist die Feuerwehr mit geländegängigen Fahrzeugen dorthin gefahren.

    Nach Erkundung und Fund der Einsatzstelle wurden dann Besatzungen und Equipment zur Versorgung entweder über den Teil des befahrbahren Weges zur Einsatzstelle gebracht oder mit einem Gerätewagen der Feuerwehr transportiert. Ein Straßen-RTW hätte sich da vollkommen festgefahren.

    Die Leitstelle bei uns ist in der Lage, sich diese Rettungspunkte auf den Karten anzeigen zu lassen und kann genauso GPS- oder UMTS-Koordinaten aufrufen.

    hier mal ein Beispiel zu Rettungspunkten aus dem Harz:

    Da wir nicht wirklich großes Waldgebiet kann ich nicht sagen, wie da die generelle Vorgehensweise bei Waldunfällen ist, ich denke mal, im Zweifel kommt neben dem Rettungsdienst auch eine Feuerwehr oder andere HiOrg mit geländegängigen Fahrzeugen dazu.

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