Erste Hilfe

Der Rettungsassistent

Den Anfang in der Rubrik „Was ist eigentlich …“ macht mein Berufsbild, der Rettungsassistent. Dazu werde ich im Folgenden die in der Öffentlichkeit leider vorhandenen Fehlinformationen zu diesem Berufsbild, den Unterschied zum allseits bekannten „Sanitäter“ sowie seine Kompetenzen kurz erläutern:

Der normale Deutsche kennt in der Regel nur den „Krankenwagen“ und den „Sanitäter“. Zum einen, weil es früher schlicht und einfach nichts anderes gab, zum anderen aber sicherlich auch, weil die Berufsbezeichnung „Rettungsassistent“ durchaus missverständlich und für Außenstehende sicherlich verwirrend ist. Dazu ein im Rettungsdienstbereich durchaus bekannter Comic:

Rettungsassistent vs Rettungssanitäter

Mit freundlicher Genehmigung von rippenspreizer.com

Und genau so denken die meisten Deutschen! Dass der Assistent eben der Assistent des Sanitäters ist. Dies ist jedoch absolut falsch. Das erkennt man schon daran, dass der Rettungssanitäter zum einen keine gesetzlich geregelte Berufsausbildung ist und zum anderen dessen Ausbildung nur rund 3 Monate dauert, wohingegen das Berufsbild des Rettungsassistenten gesetzlich geregelt ist (als einzigster Ausbildungsberuf im Rettungsdienst) und eine zweijährige Ausbildung durchlaufen muss.

Daher „assistiert“ der Rettungsassistent auch nicht dem Sanitäter, sondern dem Notarzt bzw versorgt den Patienten bis zu dessen Eintreffen und assistiert diesem anschliessend. Sollte kein Notarzt verfügbar oder benötigt sein, ist der Rettungsassistent der Verantwortliche im Einsatz. Wobei er natürlich nicht die Kompetenzen eines Notarztes hat und seine Mittel auch wesentlich eingeschränkter sind.

So darf der Rettungsassistent in Notkompetenz (dazu in einem späteren Artikel mehr) je nach örtlichen Gegebenheiten und Bestimmungen venöse Zugänge legen (um Flüssigkeit oder Medikamente zu verabreichen), intubieren (zur Beatmung), defibrillieren (Abgabe von Stromstössen) sowie eine kleine Auswahl von Medikamenten verabreichen.

Vor allem die Medikamentengabe darf jedoch nur bei ganz bestimmten Krankheitsbildern erfolgen und dann auch nur, wenn bereits alle weniger invasiven Maßnahmen ausgeschöpft sind, eine Lebensgefahr für den Patienten nicht auszuschließen ist und ein Notarzt nicht verfügbar oder zwar alarmiert, aber noch nicht eingetroffen ist.

Das Berufsbild gibt es bereits seit 1989. Der Rettungsassistent ist verpflichtet, jedes Jahr mindestens 30 Stunden Pflichtfortbildung zu besuchen. Kann er diese nicht vorweisen, darf er nicht mehr in der Notfallrettung eingesetzt werden.

Da sich der Rettungsassistent jedoch trotzdem nach wie vor immer wieder in rechtlichen Grauzonen bewegt, soll in Zukunft das zugrundeliegende Rettungsassistentengesetz (RettAssG) novelliert und den gegenwärtigen Bedürfnissen angepasst werden. So ist z.B. eine Erweiterung der Ausbildung auf drei Jahre geplant, um den immer weiter steigenden Anforderungen an einen Rettungsassistenten gerecht zu werden. Inwieweit die „Notkompetenz“ ausgeweitet bzw zu einer „Regelkompetenz“ wird, bleibt abzuwarten. Auch gibt es Überlegungen, bei einer Novellierung auch die Berufsbezeichnung zu ändern, um Missverständnissen vorzubeugen.

Was mit unserem Berufsbild in Zukunft passiert bleibt also abzuwarten. Man kann nur gespannt sein und das Beste hoffen!

Jedoch ist es heute schon so, daß ein Kranken- oder Rettungswagen keine Medikamente geben wird, sofern die obigen Vorraussetzungen nicht gegeben sind. Den Rettungswagen also als rollende Apotheke zu missbrauchen oder weil der ärztliche Notdienst nicht gewünscht ist, man aber eine ambulante medikamentöse Therapie wünscht, wird ohne Notarzt nicht funktionieren! Dies bitte ich zu bedenken!

  1. Nightflow27

    Hey, dein neujahrsgeputztes Blog gefällt mir echt super 😀
    Endlich mal einer, der das vernünftig erklärt, wer/ was was ist im Rettungsdienst!! *top*
    Danke dafür 🙂

  2. „Den Rettungswagen also als rollende Apotheke zu missbrauchen oder weil der ärztliche Notdienst nicht gewünscht ist, man aber eine ambulante medikamentöse Therapie wünscht, wird ohne Notarzt nicht funktionieren! “
    – was ja auch gut so ist. Was da manche Leute als Notfall ansehen … (Schlafmittel, Schnupfenspray …) das kann man manchmal kaum glauben. Und das müsst ihr ja nicht auch noch machen. Dass manche denken, ihr seid das Taxi reicht ja wohl.

  3. Pingback: Doctors Blog » Blog Archive » Kurvenvisite vom 10.01.09

  4. leider sind die Begriffe wie Krankenwagen, Notarzteinsatzfahrzeug, Notarzt und Rettungsassistent und Sanitäter nicht nur in der \normalen\ deutschen Bevölkerung wenig differneziert bekannt.
    habe zur Zeit bei meinem Klinikpraktikum (Anästhesie und IPS) fast täglich damit zu kämpfen, den Leuten zu erklären, was ich bin, was ich darf und was ich fahre…

  5. Leidiges Thema… ganz leidiges Thema…

    und leider erklärst du es hier wohl in erster Linie für viele Leute, die es schon wissen… Aber selbst wenn es nur einen erreicht, der es nicht weiß…

    Ach ja….

  6. Da muss ich mich mal reinhängen:

    Es gibt in Deutschland juristisch keine Notkompetenz….
    Notkompetenz ist ein Begriff den die Bundesärztekammer geprägt hat und hofft, dass er zur Anwendung gebracht wird…

    Letzendlich ist das ganze ein Gutachten, in welchem ein Arzt beschreibt was aus seiner Sicht im Rd machbar ist und was nicht…

    Dazu sollte man wissen: Es gibt juristisch keine Gutachten, die vorher erstellt werden, sondern nur Gutachten die speziell für den Fall erstellt werden und niemals allgemein gültig sind.

    Weiterhin gilt: Wer eine Körperverletzung an einem anderen Menschen vornimmt muss mit Strafe rechnen. Jede Nadel in einem anderen Menschen ist eine Körperverletzung.

    Jetzt kommt folgendes auf alles Rs, Ra, Rdh, Na und auch normale Menschen zu:
    Sie müssen den Patienten darüber aufklären: Was sie vorhaben, wer sie sind und was sie sich davon versprechen.

    In etwas so:
    Guten Tag, mein Name ist Hase, ich würde ihnen gerne eine Nadel in den Arm legen. Ich bin kein Arzt, an diese Nadel würde ich gerne 500ml Wasser anschließen. Dieses ist für sie bis auf den Schmerz im Zuge des zustechens nicht schädlich.
    Es gibt allerdings folgende Nebenwirkungen: Ich könnte ihre Vene verletzten und dadurch einen großen blauen Fleck produzieren, ich könnte ihre Vene durchstechen und eine Blutung provozieren, ich könnte ihre Vene nicht treffen und dadruch ihre Haut schädigen.

    Ich habe diese Maßnahme erlernt und bin mit der Anwendung vertraut…

    Soviel mal zum rechtlichen was alle Menschen im Rd bei jeden Patienten machen müssten wenn wir sie stechen wollen…

    Ich habe das noch nie erlebt, dass sei nur mal so daher gesagt.

    So jetzt werden die ersten kommen:
    Das dauert viel zu lange! Recht haben Sie.
    Übrigens das oben müsstet ihr für alles machen ( RR messen, Ekg anschließen, Sauerstoff geben, Patienten bewegen…. Alles wobei ihr mit dem Patienten etwas macht.)

    Gut jetzt gibgt es den Punkt der Mutmaßlichen Einwilligung:
    Ein Pat willigt unmittelbar in eine Maßnahme ein, wenn er selber in der Situation nicht mehr entscheiden kann oder aber die Situation ein schnelles Handeln erfordert.

    Jetzt bleibt natürlich das Problem wann ist diese Situation und wer übernimmt dann für den Pat das Denken und Handeln?
    Naja das läßt sich leider nicht eindeutig sagen….
    Prinziepell gilt: Jeder Ra sollte fähig sein einen Zugang zu legen und diese Maßnahme beherschen, schon alleine weil er es bei einer Reanimation auch tun muß bevor der Druide da ist.

    Gut soweit das heißt dann aber auch folgendes:
    Der Ra ist der Einsatzleiter und keine Handlung am Notdallpat passiert ohne seine Zustimmung. Der Ra versucht nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne des Überlebens des Patienten zu handeln und wenn das heißt, dass er eine Nadel legt und dann ein Relaxanz verabreicht, dann ist das so.

    So um das ganze mal auf den Rs zu bringen: Es kann dir keiner etwas wenn du einen Zugang legst, solange das oben genannte zustimmt. Hier gilt allerdings: Ob du die Maßnahme beherscht entscheidet im Zweifel ein Gutachter und ein letzenedlich ein Richter.

  7. Pingback: Der Krangewarefahrer » Neue Suchbegriffe «

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