Krankenkassen, Geld und Alter

Mein Opa leidet unter der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration, kurz AMD, bei der nach und nach die Netzhaut geschädigt wird und das Sehvermögen abnimmt, im schlimmsten Fall bis hin zur Blindheit, wenn nichts dagegen unternommen wird.

Als Gegenmaßnahmen gibt es verschiedene Mittel, die nach örtlicher Betäubung durch eine intravitreale Injektion in den Glaskörper des geschädigten Auges injiziert werden. Die Wirkungsweise dieser Medikamente hier zu erläutern würde sicherlich zu weit führen. Wissen muss man eigentlich nur, dass diese je nach Präparat sehr teuer sind (laut Wikipedia bis zu 1950 US-$ pro Injektion). Zwar gibt es auch eine billigere Variante (70 Euro pro Injektion) mit nahezu derselben Wirkungsweise, die auch vom Augenarzt meines Opas angewendet wird, jedoch ist dieses Avastin nicht überall als Mittel gegen die AMD anerkannt.

Dies mag ein Grund dafür sein, dass die Krankenkasse die alle paar Wochen stattfindenden Behandlungen nicht mehr bezahlen will. Komischerweise wurde die anfängliche Behandlung mit dem (wesentlich teureren) Lucentis – Produkt von der Kasse übernommen. Jetzt weigert man sich jedoch.

Als offizieller Grund wird angeführt, dass mein Opa auf dem betroffenen Auge ja mittlerweile nur noch eine Sehkraft von 2% hätte und dass es wenig aussichtsreich wäre, dort noch eine erfolgversprechende Behandlung durchzuführen. Allerdings muss man dazu sagen, dass mein Opa durch eine Kriegsverletzung nur noch dieses eine Auge hat und diese 2% somit das allerletzte sind, was er an Sehkraft hat. Und mit 86 Jahren zu erblinden, was er ohne eine Behandlung vermutlich tun wird, ist sicherlich alles andere als einfach, zumal er auch sehr schlecht hört.

Auf der einen Seite kann ich ja die Argumentation der Kasse nachvollziehen, dass die Übernahme der Kosten für sie wenig rentabel ist. Aber kann man das nicht mal ein bisschen menschlicher sehen??? Dieser Mann hat Jahrzehnte lang in die Krankenkasse einbezahlt und jetzt, wo er darauf angewiesen ist, verweigern sie ihm die Hilfe? Echt sehr freundlich!

Jetzt probieren wir momentan eben alles mögliche (Sozialgericht,…), dass er nicht auf den Kosten der Behandlung sitzen bleibt, da er die Behandlungen nach wie vor durchführen lässt, da dies der einzige Weg ist, nicht komplett zu erblinden.

Aber da sieht man mal wieder, wie erbärmlich teilweise das deutsche Gesundheitswesen ist und wie man für sein “Recht” kämpfen muss.

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