Zum Grübeln

Falsche Notärzte

Mit dem sehr provokativen Titel „Falsche Notärzte – Wie unfähige Mediziner Patienten in Gefahr bringen“ nahm sich das ARD-Magazin plusminus gestern Abend einem Thema an, was immer wieder (vor allem im Rettungsdienst) zu beobachten ist und immer wieder zu Diskussionen führt: Der Unkenntnis und Verwechslung der Begriffe Notarzt und ärztlicher Notdienst durch medizinische „Laien“.

Der ärztliche Notdienst kommt dabei alles andere als gut weg, was ich eigentlich aus eigener Erkenntnis nur nachvollziehen kann. Gut, es gibt sicherlich auch viele kompetente Hausärzte, die auch richtige Diagnosen stellen, sich Zeit für den Patienten nehmen etc. Jedoch nimmt die Zahl der schwarzen Schaafe, der Fehldiagnosen, telefonischen Einweisungen und Zeitdruck auch immer weiter zu, was zu Lasten des Patienten geht.

Der Beitrag schildert dabei zwei extreme Fälle.

>> Link zum Text-Beitrag auf der plusminus-Seite.

Danke auch an Kollege S. für den TV-Tipp 😉

  1. retterblog.de

    Diese Problem ist seit Jahren bekannt, aber keiner scheint die Herren und Damen in ihre Schranken weisen zu wollen.
    Ärzte sind ja oftmals der Ansicht, dass sie mit ihrem Studium alle (auch nicht medizinische) Fachgebiete erschöpfend inhaliert haben.

    Und die KV sind nun mal nur Ärzte… Wie war das mit den schwarzen Vögeln und den Augen???

  2. Das ist echt der Hammer…allerdings hab ich auch solche Geschichten schon von den Kollegen vonner Rettung gehört, z.B. Patient mit Schlaganfall, Hausarzt diagnostiziert irgendeinen Scheiß..Das die im Beitrag erwähnte Ärztin den Herzinfarkt nicht erkennen kann/will, bringt mich aber echt ins Grübeln. Das Brustschmerzen etc. auf einen Herzinfarkt hindeuten, weiß ja schon ich als SaniA (lernt man schon bei LRS..)..Also im Zweifel lieber die Rettung alarmieren..

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  4. Harlekin

    Ja, es ist der Hammer. Vor allem die Überheblichkeit derer, die hinterher mal wieder alles besser wissen.

    Es ist erschütternd, wenn ein Mensch stirbt, weil er nicht die erforderliche ärztliche Hilfe bekommen hat. Die Gleichung, Patient wurde von Arzt gesehen + Patient verstirbt später = Behandlungsfehler des Arztes, wird zwar hinterher von Leuten, die von Medizin nichts verstehen, immer wieder gern aufgemacht, stimmt aber nur selten.

    Wir können alle nicht beurteilen, ob im genannten Fall ein Fehler gemacht wurde, zumal von einer Chemotherapie im Vorfeld die Rede ist (wer jetzt nicht weiss, warum das wichtig ist, sollte sowieso ein bisschen zurückhaltend sein).

    Dazu kommt ein grosses Missverständnis, für das die betroffenen Patienten nichts können, aber die dienstverrichtenden Ärzte auch nicht: Der „Notarzt“ und der „Ärztliche Notdienst“ sind zwei verschiedene Dinge. Ersterer ist ein Notfallmedizinier (hoffentlich), letzterer ein Arzt mit eigener Praxis, den die KV zum Notdienst verdonnert hat. Während ersterer echte Notfälle präklinisch versorgen und ins nächste Spital schaffen soll, ist der Ärztliche Notdienst ein nur Service der KV während der Zeiten, in denen Hausärzte auch mal Freizeit haben. D.h. wenn ich keine Luft mehr bekommen, akute Thoraxschmerzen habe oder mir plötzlich der Mundwinkel hängt, sollte ich den Notarzt rufen. Bei 3 Wochen Rückenschmerzen, die ich am Wochenende jetzt aber mal geklärt haben möchte, oder bei Halsschmerzen gehe ich zum ärztlichen Notdienst.

    Warum das nicht kommuniziert wird und warum das nötig ist weiss nur die KV. Die betroffenen niedergelassenen Ärzte wären die ersten die diesen Notdienst abschaffen würden (und die KV gleich mit), wenn man sie liesse.

    Im übrigen sind heutzutage die wenigsten Ärzte der Meinung, dass sie alle Fachgebiete abdecken könnten, sie wissen recht gut um das Poblem interdisziplinärer Notdienste. Aber sie werden vom Gestzgeber (und der KV) dazu gezwungen.

    Im übrigen gibt es beim Thoraxschmerz eine nette Liste an Differentialdiagnosen, die der Kommentator „stef“ nicht zu kennen scheint. Bei der Mehrzahl der Patienten, die sich z.B. beim Hausarzt mit diesem Symptom vorstellen, hat nur eine kleine Minderheit einen akuten Myokardinfarkt. Es wäre also absoluter Blödsinn, wenn diese Patienten alle ins Spital verschickt würden. Darüber hinaus würde unser Gesundheitssystem implodieren, wenn die Niedergelassenen so denken würden wie unser Experte „stef“.

    Langer Rede kurzer Sinn: Ja, Ärzte machen Fehler, ja, in unserem Gesundheitssystem wird eine Menge Käse gemacht, aber bevor man einem Arzt Fehler vorwirft, sollte man die Fakten kennen.

  5. Hallo hier der Link zur Mediathek:

  6. Danke an „unknown“ für den Link. Hab ihn in den Beitrag eingebaut.

  7. Naja, das kann man so sehen oder so.
    Ein Notarzt ist ein Notarzt und Teil eines Teams mit NAW und RTW Equipment.
    Ein KV-Notdienst-Arzt ist ein Niedergelassener, der oft eigentlich gar keinen Bock auf diese Dienste hat aber nunmal dazu verpflichtet ist und in der Regel völlig auf sich gestellt ist…
    Natürlich wissen wir, dass sich hinter diffusen „Bauchschmerzen“ und Zahnschmerzen auch mal ein akuter Herzinfarkt verbergen kann.
    Aber was man als Krankenhaus-Doc nicht so mitbekommt, sind die vielen Fälle, in denen Bauchschmerzen wirklich nur Bauchschmerzen waren… wenn ein Hausarzt jeden Patienten, der nachts mit Bauch- oder Zahnschmerzen anruft einweisen würde, würde ich mich als Notaufnahme-Doc aber herzlich bedanken!
    Obwohl natürlich… besser einmal zu viel als einmal zu wenig…

  8. sicherlich würde Sinn es machen wenn es eine zentrale Telefonnummer für medizinische Notfälle gibt. So geht die Entscheidung tatsächlich erst einmal über einen geschulten Mitarbeiter, der die Situation sicherlich kompetenter einschätzt als die Angehörige, die den Unterschied nicht kennt.Damit ist dann zwar nicht Ende der Baustelle, aber ein großer Schritt in die richtige Richtung

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