Zum Grübeln

Anorexie, Borderline, PTBS, etc

Mein heutiger Beitrag richtet sich an alle Kollegen, Ärzte etc, die hin und wieder mein Blog lesen, in der Hoffnung, von Ihnen noch den einen oder anderen Tipp hinsichtlich folgender Problematik abgreifen zu können:

Wie kann man nur einem Menschen Mut zusprechen oder wie kann man jemandem helfen, …

  • der mit sich und der Welt fertig ist?
  • der keine Lust mehr hat, die ständigen Schmerzen zu ertragen?
  • der keine Lust mehr hat, von einem Doc und einer Untersuchung zur nächsten zu rennen?
  • dessen Körper eigentlich physisch und psychisch gegen ihn arbeitet?
  • der sich selbst als Unkraut, Abschaum, Dreck bezeichnet, weil ihm früher etwas angetan wurde, wofür er selbst aber gar nichts kann?
  • der keine Hoffnung mehr hat, daß es jemals wieder besser wird?
  • der immer und immer wieder durch neue Tiefschläge weiter gezeichnet wird?
  • der sich schon in Therapie befindet, die momentan aber auch an einem Punkt angekommen ist, wo es schwierig wird?

Aber der Reihe nach:

Vor über 2 Jahren habe ich ein Mädel kennengelernt, das nach außen hin eigentlich recht „normal“ und unbelastet schien, letztlich aber nach näherem Kennenlernen ein völlig anderer Mensch war und mit sich und der Welt eigentlich dank diverser Geschehnisse in ihrer Vergangenheit abgeschlossen hatte. An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert und wird sich so schnell wohl auch nicht, auch wenn sie manchmal (und in letzter Zeit wieder immer öfter) in Erwägung zieht, aufzugeben und das alles zu beenden. Auch Therapeuten und Ärzte sind so langsam mit ihrem Latein am Ende. Und alles nur, weil sie ein Mädel ist und irgendein bzw sogar zwei triebgesteuerte A….löcher sich vor zig Jahren an ihr vergangen haben. Seitdem ist ihr Leben eine einzige Katastrophe.

Die ganzen Medis, die sie durch ihre Schmerzen und anderen Probleme nimmt schädigen mittlerweile die Leber und sorgen momentan dafür, dass ihre Situation sich eher verschlimmert als verbessert. Jetzt ist alles abgesetzt und man wartet auf neue Leber-Werte, nur bis dahin rutscht sie wieder immer tiefer in dieses schwarze Loch, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt.

Sie ist ein wunderbarer Mensch, eine sehr freundliche und nette Person, nur glaubt sie das eben oft einfach selbst nicht mehr und kämpft ständig mit und gegen sich. Solchen Menschen Mut zuzusprechen und immer wieder und wieder gut zuzureden ist hart, ein schwieriges Unterfangen und es ist sicherlich (und hoffentlich) eher selten, dass man eine solche Person im Bekanntenkreis hat.

Nun, seit Mitte März kenne ich ein zweites Mädel mit ähnlichen Problemen. Auch auf jeden Fall ein wunderbarer und kommunikativer Mensch. Ich hatte mich schon lange nicht mehr so gut und nett unterhalten. Aber bei ihr ist es vielleicht sogar noch gravierender als beim ersten Mädel. Sie arbeitet wohl noch stärker und wirklich mit allen Kräften gegen sich und ihren Körper. Versucht alles, um sich zu schaden und einen „perfekten“ Körper zu bekommen, nur weil ihr Gehirn ihr sagt, sie sei viel zu dick.

Und nicht, dass beide Mädels schon genug mit ihrem Laster gestraft sind. Nein, sie ziehen auch noch weiter das Pech an, haben Auto- oder andere Unfälle, die ihre Gesamtsituation noch erschweren und kaum noch erträglich machen.

Ich kann beiden Mädels nur immer wieder sagen, dass sie kämpfen müssen, dass sie und ihr Körper nicht selbst schuld sind an diesem ganzen Leid und es hoffentlich irgendwann wieder etwas besser wird. Ich hoffe einfach zutiefst, dass beide keinen Fehler und irgendwelche Dummheiten machen.

Und da ihr auch meinen Blog lest:
IHR SEID WUNDERBARE MENSCHEN UND WIR BRAUCHEN EUCH!!! GEBT BITTE NICHT AUF!!!

Für diejenigen, die sich nicht vorstellen können, was diesen Menschen angetan wurde bzw was in ihnen vorgeht hier ein paar Links und Videos, die das ganze etwas beschreiben:

Anorexie
Wikipedia-Eintrag

Bipolare Störung
Wikipedia-Eintrag

Borderline-Persönlichkeitsstörung
Wikipedia-Eintrag

Dissoziative Identitätsstörung
Wikipedia-Eintrag

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Wikipedia-Eintrag

Selbstverletzendes Verhalten
Wikipedia-Eintrag

Und das ist nur ein Teil ihrer Probleme. Wer obige Begriffe aber mal bei Youtube oder so eingibt wird feststellen, wie viele Menschen es wirklich mit diesen und ähnlichen Problemen gibt.

Wohin Anorexie und Co führen können, zeigt z.B. Kat in ihren Videos auf Youtube:

Englische Profilseite , ihre Videos mit deutschen Untertiteln

  1. Ich wollte nur mal kurz Danke sagen Chris und ich bin zu Tränen gerührt wirklich und (ich als die eine von Beiden) es tut mir leid was ich dir antue , es tut mir wirklich leid ………

  2. Das braucht Dir doch nicht leid zu tun! Ich meine, Du kannst doch letztlich nichts dafür.
    Versuch einfach, stark zu bleiben und dem Drang nicht nachzugeben. Ich weiß, das ist sehr schwer, aber versuche es einfach!
    Bitte!

  3. Die Andere

    Dankeschön,ich kann dir nur zurückgeben:
    Du bist ein wirklich toller Mensch und ich bedanken mich für deine unerschütterliche Freundschaft.

  4. Hallo Chris
    Ich kenne und verstehe Dein problem und das der beiden Mädels. Ich kann dir nur raten immer am Ball zu bleiben und das du dir vieleicht die Hilfe durch nen Freund oder Bekannten suchst der sichmal mit der Sache beschäftigt hat und dich unterstützen kann, in deinen Bemühungen ihnen zu helfen.

    Gruß Jan

  5. Harlekin

    Ich verstehe, wie sehr Dich das Schicksal der beiden erschüttert. Es ist sicherlich nie falsch zu kämpfen. Aber es ist ein langer Weg, der das ganze Leben andauert.

    Leider gibt es keine kausalen Therapien, die zu einer klassischen Heilung führen. – Eine Tatsache, die nicht nur die Angehörigen und Freunde der Betroffenen verzweifeln lässt, sondern auch viele meiner Kollegen. Oft steht man ohnmächtig daneben, während diese Menschen buchstäblich weniger werden und schliesslich sterben. Die klassische Anorexie ist eine der gefährlichsten Erkrankungen überhaupt mit einer Mortalität von 15 bis 20%.

    Für die Angehörigen und Freunde bleibt nur eins, da sein, Unterstützung geben, wenn jemand beginnt zu kämpfen und die Voraussetzung jeder professionellen Hilfe, Eigenschutz. Damit meine ich, zu verstehen, dass die eigenen Einflussmöglichkeiten gering sind und dass nicht helfen kann, wer sich selbst in Gefahr bringt.

  6. neurotoxin

    so bleiben wie du bist? scheint ja das richtige zu sein… aber kann harlekin nur zustummt, auch an den „eigenschutz“ denken…eigene grenzen beachten und wahren, trotz allem. [vllt auch einfach die beiden mädels fragen? mag hier jetzt ja nix falsches erzählen, kenns nur eben aus eigener erfahrung das es durchaus hilft, wenn man weiß das der andere auch auf sich achtet und man selber da nicht „zu schwer“ für den wird, falls das jetzt irgendwie verständlich war]
    und ansonsten…hm, waren die beiden mal stationär in therapie, in einer von den vernünftigen (!) fachkliniken? vllt wär das sonst ne überlegung wert…
    alles gute

  7. @neurotoxin
    Ich war dreimal stationär in der Psychiatrie und habe ansatzweise das DBT Programm gemacht , bin seit über 4 Jahren ebenfalls in ambulanter Therapie , dachte ich antworte als eine der Beiden mal selbst ….

  8. neurotoxin

    @sandy
    hab ich mir fast schon gedacht…er schrieb ja auch das mind. 1 in therapie ist…
    weil du sagst ansatzweise, wirkt net so als hätt die dbt was gebracht bei dir, oder? [wobei das ja auch nen unterschied macht obs nu ne psychiatrie ist oder darauf spezialisierte kliniken, aber irgendwie bin ich davon überzeugt das du das weißt]
    ich drück dir die daumen, wirklich.

  9. Die Andere

    Hey,
    auch ich bin seit vielen Jahren in ambulanter Therapie (seit 6jahren bei meinem jetzigen Therapeuten und vorher bei 2 anderen).

  10. neurotoxin

    – auch dir- ich drück dir die daumen das es im lauf der zeit immer weiter vorwärtsgeht- und respekt dafür (an euch beide) das ihr die therapie so lang schon durchzieht.

  11. @neurotoxin

    Ja die DBT hat mir schon geholfen , und im Grunde weiss ich eigentlich alles was bei mir passiert , das Problem liegt eher darin es anzuwenden , sich zu überwinden und gegen die Krankheit herzugehen und genau das tue ich nicht , kranksein ist das was ich kenne , womit ich mehr oder weniger umgehen kann wo ich weiss was mich erwartet …. alles andere ist immer wieder so neu für mich. Ich weiss nicht ob du verstehen kannst was ich meine? Ja im Grunde kenne ich die Krankheit zu gut , durch persönliche Erfahrung mittlerweile durch meinen Beruf weil man fängt an sich in alle Richtungen zu informieren, so gut das sie mir meist zum Verhängnis wird.

  12. neurotoxin

    @sandy
    ja, ich denk ich versteh genau was du meinst…und da kann dummerweise befürcht ich nur die zeit helfen (brr, ich mag den satz nicht, aber manchmal trifft es halt zu) und nen guter therapeut, aber gerade sowas braucht ja unglaublich viel zeit und energie, den willen zu entwickeln da neues zu erfahren, neues zu lernen. abgesehen davon das es ja meist nen verdammt guten grund gibt (außer „das ist vertraut“, was an sich schon nen mehr als guter grund ist) warum das verhalten so bleibt erstmal.
    sorry hab grad nen knoten im hirn, wollt eigentlich nur sagen- ja, weiß was du meinst (auch das mit dem zu gut kennen) und weiß das das nahezu ewig dauern kann da raus zu kommen.

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